Der Schwindsüchtige pfiff, zwinkerte, den Kopf schief gestellt, die glühende Morgendämmerung an, zum Bettler hin und spuckte in großem Bogen aus, pfiff weiter, gleichgültig.
Auch Jürgen tat gleichgültig: „Schönes Wasser. Sind Sie immer hier?“
„Oder wo anders!“ Er lächelte höhnisch. Dann ließ er sich doch herbei: „Arbeitslos! Seit ... Ah, die Saubande! Ich scheiß auf alles.“ Blickte wieder gewöhnlich drein. Dann biß er in einen unreifen Apfel. Die Säure zog ihm das Gesicht zusammen.
Vorsichtig fragte Jürgen: „Wollen Sie etwas zum Essen holen? Wurst?“
Der einarmige Bettler war noch immer mit Zählen beschäftigt. Er kicherte, nachdem der Schwindsüchtige mit Jürgens Geldschein fortgegangen war. „Den haben Sie gesehen. Der kommt nimmer. Iiiii! die Gauner kenne ich ... Und der dort, der jetzt da kommt, den schauen Sie sich an, das ist Herr Knipp. Der hat ausgerechnet, daß er von seinem Steinbruch, wenn er immer nur soviel brechen läßt, wie er fürs tägliche Leben braucht, bis zu seinem achtzigsten Jahr leben kann, ohne selbst was tun zu müssen. Deshalb läßt er seit Jahr und Tag nur zwei Leute im Steinbruch arbeiten. Er selber angelt seit Jahr und Tag. Der will nur angeln. Nichts als angeln! Und pfeifen kann der, sag ich Ihnen! Er hat nämlich ein Klavier. Darauf spielt er, ganz ohne Noten, und pfeift dazu. Schon in aller Früh! Sie können sich nicht vorstellen, wie der pfeifen kann. Das klingt wie Geigen und Flöten. Die Arbeiter, wenn sie früh in die Fabrik gehen, bleiben stehen und horchen ... Und dann angelt er. Den ganzen Tag. Sogar manchmal nachts.“
Herr Knipp hatte umständlich geschnupft, schäkerte freundlich und ganz für sich allein mit dem Wurme, der sich am Angelhaken bäumte: „Warte doch, warte doch ... Er kanns nicht erwarten.“ Dann beobachtete er, zufrieden mit der Welt, den schaukelnden Schwimmer. Herr Knipp war erst einundvierzig Jahre alt.
„Der kommt nimmer ... Ihr Geld ist futsch.“
Gleich darauf erschien der Arbeitslose, aus einer anderen als der erwarteten Richtung kommend, in der Ferne.
„Jetzt sagt er, er hätts Geld verloren.“
„Um zwanzig Brot. Die Wurst kost vierzig.“ Er packte das armlange Stück aus, zählte das übriggebliebene Geld auf Jürgens Handfläche. „Pferdewurst! Die ist billiger. Und besser ist sie auch.“