Bei den Zuschauern platzt die dünne Haut. Ekstase flammt. Schreie steigen. Die Wahrheit gerät in Fluß. Die Seele tagt. Und reiht die Träger der befreiten Seele ein in den Zug.

Kein Mensch bleibt zurück. Die durchkrückten Straßen sind leergesaugt.

Kleine Trupps stoßen aus den Nebengassen im Laufschritt auf den Zug zu.

Siebzig Fensterausschnitte eines Lazarettes, dicht ausgefüllt mit den Köpfen heißblickender Soldaten, werden plötzlich siebzig leere, schwarze Löcher: und dreihundert Krüppel und Invalide, noch in der blauweiß gestreiften Anstaltskleidung, humpeln, hinken, schwanken, krücken mit dem Zuge.

Kinder, auf dem Wege in die Schule, verlängern den Zug. Verzweifelte, auf dem Wege zur Kirche, verlängern den Zug. Die Bewohner der engen Gassen, in denen der Gestank der Armut steht, verlängern den Zug. Aus den Parterrefenstern einer Fabrik springen die Arbeiter heraus.

Zwei Regimenter siebzehnjähriger Infanteristen, auf dem Wege zum Religionsunterricht, werden geschluckt.

Dem Zuge voran fährt langsam ein flacher Lastwagen, auf dem sonst mehlgefüllte Säcke transportiert werden. Zwölf kräftige Männer, die zusammen fünf Arme und sieben Beine haben, stehen und sitzen auf dem Wagen. An der Längsstange, an der sonst das zum Schutze für das Transportgut bestimmte Segeltuch befestigt ist, hängen große, farbige Papierlampions. Blau. Rot. Grün. Violett. Rot. Eine Reihe schaukelnder, erleuchteter Papierlampions. Auch die Sonne leuchtet.

Der Atmende, dem ein Geschoß den Magen und das Zwerchfell verletzt hat, ist um acht Uhr früh verendet. Sein noch uniformierter Leichnam sitzt neben dem Kutscher auf dem Bocke. Die angebundene Leiche wackelt. Das Gesicht ist weißlich-grün. Die toten Augen sind offen.

Von der Stange, an der die leuchtenden Papierlampions schaukeln, hängt ein Seil herunter; und in der Schlinge, die unter den Armen um die Brust herumgelegt ist, hängt der Soldat, der kein Kinn, keinen Mund, keine Nase, keine Augen, kein Gesicht mehr hat. Links von ihm hängt ein Seil herunter, das den ‚Rechten Menschenwinkel‘ hält. Er stützt sich auf seine fünfzig Zentimeter hohen Spazierstöckchen. Die Asphaltstraße gleitet vorüber unter seinem Gesicht, das der Krieg horizontal gestellt hat.

In der Mitte hockt der Rumpf erhöht auf einem thronartigen Aufbau mit Rückenlehne, an welcher der Rumpf festgeschnallt ist. Der Rumpf ist nackt. Eine Infanteristenmütze sitzt schief auf seinem Kopfe. Die inkarnierte Liebe lebt in seinen tiefen, ruhigen Augen.