„Was gibts da noch zu siegen, wenn die Lebenskraft, ja, ‚die beste Lebenskraft des Volkes‘, schreibt er, ‚versiegt ist durch den Tod von Millionen junger Männer; wenn das Volk nur noch aus Verrohten und aus Krüppeln, Kranken, Irrsinnigen, verhungerten Kindern und Frauen und aus ganz alten Leuten besteht‘.“

„Ja warum nicht gar.“ Er klammerte sich an seine Zeitung an, las die neueste Siegesnachricht des Kriegsberichterstatters: in sein sofort wieder beruhigtes Gehirn ließ sich ein Ausschnitt leichenbedeckte Erde nieder. ‚. . . in einer seitlichen Ausdehnung von mindestens 500 Metern, bei reichlich achtzig Meter Tiefe . . . Von unseren sturmerprobten Stoßtruppen im Handgemenge unter auffallend geringen Verlusten mit einer Bravour genommen, die . . .‘

„Lies das, dann kommst du gleich auf andere Gedanken.“

„Ja, ich will die Zeitung gar nicht mehr lesen.“ In der des Denkens ungewohnten Mutter löste sich ein Gefühl los und sank bleischwer in die Worte hinein: „. . . Wenn nur alle einmal nicht mehr daran denken wollten, was in der Zeitung steht; wenn nur alle einmal an die Menschen denken wollten, die jetzt da sterben müssen.“

„Das ist ja Unsinn.“ Der Vater packte die Zeitung fester, sah den leeren Suppenteller an, sah die danebenliegende Postkarte. „Und was ist denn das?“

„. . . Nur diese Karte ist gekommen.“

. . . „daß der Gesangverein ‚Frohsinn‘ bis auf weiteres die Singproben ausfallen lassen muß, da immer mehr Sänger dem Rufe des Vaterlandes gefolgt sind und es keinen Zweck mehr hat.“

Eine schwarze, durch nichts auszufüllende Lücke tat sich auf in seinem Leben. Er suchte in der Zeitung nach Fettgedrucktem.

„Keinen Zweck mehr hat. Unsinn!“

Plötzlich schrie er wütend die verstört blickende Mutter an: „Warum hältst du denn die Uhr auf“, begann noch einmal, ‚Ein kühnes Patrouillenstückchen‘ zu lesen.