„Nein! Schweig“, flüsterte der Sohn, entsetzt, wie nie in seinem Leben.
„Wahrlich, diese Stadt hätte ein Soldat gebaut, der gefallen ist.“
Da verschwand die Stadt. Und der Sohn hielt ‚Das Buch der Menschheitszukunft‘ in der Hand. Und las in einer Sekunde das ganze Buch von Anfang bis zu Ende. Denn öffnete man es, so flossen alle seine Bilder und Gedanken zusammen in ein einziges Wort. Und wessen Seele von diesem Wort berührt wurde, der war erlöst und gut. Liebe stand auf seinem Angesichte. „Da brauchen wir dieses herrliche, allmächtige ‚Buch der Menschheitszukunft‘ ja nur vor das Auge der Menschheit zu legen, und die Welt ist von allem Bösen erlöst und der milden Regierung der Liebe heimgegeben. O, fließende Verschwisterung“, flüsterte der Sohn. „Wer hat denn dieses Buch geschrieben?“
„Das hatte ein junger Dichter geschrieben, der gefallen ist.“
Schwarzer Donner klang von fernher.
Von seiner klagenden Seele getragen, flog der Sohn erbebend vor die dunkle Frage hin: „Welcher Nation gehörten diese Toten an?“
Das Gesicht des guten Herrn wurde zu zwei trostlos weinenden Augen, deren Blick langsam und deutlich die Worte sprach: „Das weiß man nicht.“
Plötzlich sah, mit allen grausigen Einzelheiten, der Träumende, was er vor einer halben Stunde beim Sturmangriff wirklich erlebt und gesehen hatte: das leinenweiß gewordene Gesicht des jungen Franzosen, der in das Bajonett des Sohnes hineingerannt war.
Und er brüllte in der ewigen Sekunde, die zwischen Schlaf und Wachsein stand, dem zum Unteroffizier werdenden guten Herrn in unermeßlichem Entsetzen zu: „Aber ich weiß es. Ich!“
„Auf! Noch ein Sturmangriff!“ schrie der Unteroffizier, der den Sohn wachgerüttelt hatte.