„Ich! . . . Ich weiß es.“

„Warum schlafen Sie denn dann?“

Der ganze Himmel donnerte. Von Menschenblut noch durchnäßte Soldaten, im Graben eng zusammengedrängt. Gesichter aus Glas. Augen aus Glas.

Die Welle entseelter Menschen wurde vom Befehle vorgestoßen. Und das zu einem einzigen ungeheuren, erderschütternden Knall zusammentönende Knallen der mit rasender Schnelligkeit feuernden Geschützkette wurde mild überflüstert von des Sohnes Seele, die ihm gebot, zu sühnen, indem er sterbe, damit er lebe.

Er stand reglos, umtobt von den in wildem Kampfe ineinander Verbissenen. Hier, im Mittelpunkte des Knallens, war es totenstill. Es wurde handwerklich und ganz lautlos gemordet.

Eine nachkindliche, zweite Naivetät beseelte ihn mit der Frage: „Weshalb tun die Menschen das? Das darf kein Mensch befehlen. Kein Mensch darf diesem Befehle folgen.“

Die Sekunde gebar ihm ein letztes, noch irdisches Bild: er sah den ganzen Erdball sich zu einer Trommel ordnen, auf der der Militarismus mit Granaten einen Wirbel schlug.

‚Menschen, die einander nie gesehen, einander nichts getan haben, Menschen, die sich lieben, ja, sich lieben, Kameraden, Kameraden erschlagen einander‘, fühlte er noch, vom Jenseits schon berührt. Und das schon nicht mehr gedachte, nicht mehr gefühlte, als zerfließendes, jenseitiges Bild geschaute Ahnen besuchte ihn: ‚Die Seele, die den ganzen Umfang dieser Furchtbarkeiten sähe, müßte sterben; die Seele macht das Auge zu.‘

Die Augen des Sohnes, der inmitten von mordenden und fallenden Menschen reglos stehen blieb, waren weit geöffnet.

Das Bajonett fuhr unterm Kinn beim Halse hinein, durch den Kopf: sein Körper schlug, wie der Akrobat, einen Bogen nach rückwärts, daß die Fußsohlen und die Handflächen die Erde berührten, und verharrte tot, von Leichen gestützt, in dieser Stellung, einem Brückenbogen gleich.