Die glänzende Kante des lackierten Kleiderschrankes, das Gesicht des beliebtesten Heerführers, der hin- und herschwingende Perpendikel stürzten auf sie zu.
Ohne den Bruchteil einer Sekunde zu warten, machte sie eine blitzschnelle Drehung türwärts. Und flog schreilos aus dem Zimmer, den dunklen Gang vor, aus der Wohnung hinaus, die Treppe hinunter, die Gasse hinunter, die breite Asphaltstraße hinunter. Immer in der Mitte: schwarz, vornüberstürzend, lautlos. Sie hatte Filzschuhe an.
Passanten blieben stehen; es bildeten sich Gruppen. „Was hat sie?“ Das selten berührte Gefühl gedankenlos lebender Menschen wurde von etwas Unbegreiflichem getroffen. Kein einziger wußte, daß es die absolute Ziellosigkeit war, die sie erschüttert aus dem Rennen der Mutter herausfühlten. Und als ein junger Arbeitet das amtliche Schreiben, das er gefunden und aufgehoben hatte, vorlas, sanken die Worte in die aufspringenden Herzen hinein. Junge Leute galoppierten der Mutter nach.
Sie hetzte durch Stadtviertel, dem Schrei entgegen, der zusammengeballt in ihrem Halse saß und nicht durch konnte.
In allen Straßen bildeten sich Gruppen betroffener Menschen, die von den Nachspringenden über das Unglück der Mutter aufgeklärt wurden, sich ihnen anschlossen.
Eine Kompanie junger Soldaten, feldmarschmäßig ausgerüstet, blumengeschmückt, singend auf dem Wege zum Bahnhof, sauste auf die Mutter zu und im Fluge an der Rasenden vorbei.
„. . . dir die Hand nicht geben . . .“
Ein Lastfuhrwerk. Ein Schutzmann zu Pferde.
„. . . dieweil ich eben lad’ . . .“
Schon weit hinter ihr verklingend.