Eine knabenhaft hohe Kommandostimme. Klatschen auf Gewehrkolben. Drohendes Gelächter. Fliehende, dunkle Rücken.

Eine Frau mit loderndem Antlitz trat vor: „Schießt! Schießt!“ Sie wurde verhaftet.

Der Kellner stand dicht beim Leutnant und sah ihm in die Augen.

Als der Philosophiedoktor und der Rechtsanwalt den Platz schon verlassen hatten und sich umwandten, sahen sie, wie ein Soldat am Lampenmaste emporkletterte und die Hand nach dem roten Fetzen ausstreckte.

„Es ist doch nicht unmöglich, daß die revolutionäre Geistigkeit das letzte, entscheidende Wort haben wird“, sagte der Anwalt.

Sie gingen eilig durch eine menschenleere Geschäftsstraße; nur in der Ferne rannte ein dunkler Frauentrupp davon.

„Leider ist die revolutionäre Geistigkeit, bis auf zwei oder fünf halbverhungerte Vertreter, die gleich Irrsinnigen in einem Blut- und Lügenmeere ohne Balken machtlos herumschwimmen, schon in den Massengräbern oder in den Zuchthäusern. Das muß zu ihrer Ehrenrettung den kommenden Generationen gesagt werden . . . Hier! Sehen Sie, hier!“

Das Schaufenster war eingeschlagen; der Lebensmittelladen leergeplündert. Frauen hatten die Gelegenheit, daß Polizei und Truppen auf dem Platze beschäftigt waren, schnell benutzt.

„Das ist nackter Hunger. Kein revolutionärer Geist“, sagte der Philosoph. Und hob einen geräucherten Fisch von der Straße auf. „. . . Wegen des Fisches und auch aus Kameradschaftlichkeit.“

Er schob ihn unter seinen schwarzen Havelock. „Dieses rapid ins Geldverdienen hineingeratene Volk hat, aus einem öden Materialismus heraus, vor dem Kriege ‚Hoch‘ geschrien, bei Kriegsausbruch nichts, als ‚Hoch‘ geschrien. Und jetzt schreit es nur deshalb nicht mehr ‚Hoch‘, weil der Magen schreit.“