Der neben ihm Liegende, der auch nur noch ein Bein hat, dreht das Gesicht zum Ohnmächtigen hin und sagt zu ihm: „Du schläfst ein, Lieber, und hast zwei Beine, und wenn du aufwachst, hast du nur noch ein Bein.“ Dabei lächelt er: ein Lächeln, das dafür zeugt, daß die gramvollste Hoffnungslosigkeit mit einem Lächeln ausgedrückt werden kann. „Schläfst ein, Lieber, und hast zwei Beine, und wenn du aufwachst, hast du nur noch ein Bein.“ Diesen Satz hat er gefunden und sagt ihn immer wieder.

Das vierte Bett in der dunklen Reihe, von der Rückwand aus gezählt, quält den Stabsarzt. Mit diesem vierten Bett hat er Unglück. Entweder sterben ihm die Inhaber des vierten Bettes unter der Säge, oder sie führen sich ganz besonders wild auf.

‚Wieder das vierte Bett‘, denkt der Stabsarzt, krank vor Überarbeitung, wirft einen Blick auf das Bein, das noch im Mittelgang liegt und die tadellose Ordnung stört. Dann einen Blick zur niedrigen Decke. ‚Ein Kino hätte man hier nicht einrichten dürfen. Ein Kino nicht.‘ Und sägt vorsichtig und mit Kraft den Oberarmknochen knapp unterm Schulterblatt durch.

Der Soldat auf dem Operationstisch, ein uniformierter Knabe, hat nur eine blutnasse Hose an. Der Oberkörper ist mager. Schmale Brust. Unausgewachsen. Der Knabe ist bewußtlos. Die blauen Lippen sind fest aufeinandergepreßt. Nur beim rechten Mundwinkel ist ein kleines, ganz rundes Loch offen geblieben, wie bei einem total erschöpften Wettläufer, der durch einen Mundwinkel die Luftmassen hinausstößt.

Manchmal schreien und stöhnen gleichzeitig alle Verwundeten wilder auf, als würden in dieser Sekunde alle Wunden von einem bösen Weltgeist betastet. Dann werden die Mittel angewandt.

Es werden verschiedene Mittel angewandt, um den Schmerz erträglicher zu machen. Der eine hat gefunden, daß der Schmerz geringer wird, wenn er die Zunge herausstreckt, mit all seiner Kraft die Zunge so weit wie nur irgend möglich herausstreckt. Noch einen Millimeter weiter. Er hockt aufgerichtet im Strohsack, die Zunge lang und blau gebläkt, und keucht.

Ein anderer kann sich nur helfen, wenn er „Uu!“ schreit. Er hat das Alphabet durchprobiert. E hilft ihm nicht. I hilft ihm nicht. Nur U. Er brüllt mit der ganzen Kraft seiner Lungen: „Uu!“

Der Stabsarzt sägt.

Einer muß, die Muskeln angespannt, den Arm senkrecht emporrecken und die Luft zurückhalten, so lange zurückhalten, bis der Schrei als wildansteigendes „O!“ aus seinem Munde herausplatzt. Das hilft ihm.

Der Stabsarzt sägt.