Ganz feines Wimmern neugeborener Katzen.
Der Oberkörper kreist langsam und ununterbrochen.
Es wird Platz gemacht: die Strohsäcke werden noch enger zusammengeschoben, so daß auch die Zwischenräume von zwanzig Zentimetern nicht mehr da sind. Ein einziges, langes, genau ausgerichtetes, brüllendes, stöhnendes, wimmerndes, ordentliches Schmerzenslager.
Als wild ansteigendes „O!“ platzt der Schrei aus dem Munde heraus, während die Bahrenträger gehen.
Die Zunge bläkt lang und blau. Warmer, dicker Gestank.
Die Metzgerküche ist nur eine kleine Nebenabteilung vom immer vollen ‚Tanzsaal‘, der fünfmal mehr Strohsäcke faßt als die Metzgerküche.
‚Und wieviel ‚Tanzsäle‘ gibt es in Europa? Wie viele, in denen erste Hilfe gewährt wird? Und wie viele, in denen solche liegen, die in Schmerzen auf die Heilung warten? Wie viele Schmerzenslager gibt es knapp hinter der Front? Und wie viele in allen Städten und Städtchen des Heimatlandes? Wie viele in Rußland, Frankreich, England, Italien? Wie viele Schmerzenslager gibt es in Europa?
Für was, für wen leiden diese Millionen ihre Schmerzen? Warum müssen Millionen Menschenbeine, Millionen Arme abgesägt werden? Für was wird gekämpft und ermordet? Und verstümmelt und gesägt und gelitten? Für was ist dieser Krieg? Für was?‘ denkt der Stabsarzt und schneidet erst sauber und exakt ein Pfund Menschenfleisch aus einem Oberschenkel heraus, bevor er zu sägen beginnt. ‚. . . Viel zu niedrig für ein Kino.‘ Farben kreisen vor seinen Augen.
Den Gekreuzigten in der Metzgerküche ist es ganz gleichgiltig, ob sie knapp hinter der Front, oder in der Heimatstadt, oder gefangen im Feindesland, oder in einem indischen Urwald sich winden, „Uu“ schreien, „O“, die Zunge bläken, fein wie neugeborene Katzen wimmern. Und wer den Krieg gewinnt, das ist ihnen so gleichgiltig wie der Schneefall von vorgestern.
‚Der Bürgermeister irgend eines kleinen Dorfes soll ganz allein den Weltkrieg gewinnen, wenn dadurch meine Schmerzen nur um einen Grad geringer werden. Und wenn ich mein Bein wieder hätte‘, denkt der plötzlich ganz schmerzlos und gefährlich still liegende, zwanzigjährige Dichter, der schon entschwebt, ‚mein weißes, langes, hunderttausend Kilometer langes Bein mit dem herrlichen Knie wieder hätte, würde ich das Leben lieben so ewig wie . . . die Sonne