tönt, nach alter Weise,

In Brudersphären Wettgesang,

Und ihre vorgeschriebne Reise

Vollendet sie mit Donnergang.‘

‚Mein Bein! das heißt, wenn ich mein Bein wieder hätte, wäre ja überhaupt gar nicht Krieg . . . Krieg ist ja gar nicht möglich. Krieg gibt es nicht. Krieg ist Einbildung. Ist Lüge. Mein Bein allein ist die Wahrheit.‘ „Die Wahrheit“, sagt er laut und deutlich in die Metzgerküche hinein. Und schließt die Augen.

Fünf Minuten später wird er tot hinausgetragen.

Frisches Stroh. Frische Leintücher. Kein Strohhalm im Mittelgang. Ordnung. Eine Fußsohle ragt über den Rand des Gliederkübels heraus.

Der andere Beinlose dreht sich um und sagt zum frischen, leeren Strohsack: „Du schläfst ein, Lieber, und hast zwei Beine, und wenn du aufwachst, hast du nur noch ein Bein.“

Die Augen des jungen, kräftigen Bauschlossers im Nebenbett glotzen glanzlos und wütend. Er hat keinen rechten Arm mehr. Mächtiger Brustkasten. Gesundes Blut. Mächtige Muskeln, gewölbt, glatt. Wie geölt. Er weiß, daß er alles überstehen wird, knirscht den Schmerz nieder. Und grübelt in seine Zukunft hinein: ‚Ein Tübelloch werde ich in meinem ganzen Leben nicht mehr schlagen . . . Künstlicher Arm? . . . Ist Scheiße. Mit einem künstlichen Arm schlägt keiner ein Tübelloch in harten Stein . . . Ein Bein, meinethalben ein Bein; warum fehlt nicht das rechte Bein, anstatt des rechten Armes. Das Bein! Das Bein!‘

Im ersten Bett der Fensterreihe, bei der Tür, liegt ein junger Offizier, der kein Bein mehr hat. Seine Gedanken steigen auf, über sich windende, brüllende Menschen weg, bis zum Strohsack des Schlossers, und schieben sich zwischen dessen Verzweiflungsgrübelei als gedachte Gegenreden hinein: ‚Wenn nur ein Arm fehlen würde. Ein Arm! Ich würde mir einen weiten Mantel machen lassen. Weite Ärmel. Künstliche Hand in der Tasche. Und auf der Straße würde kein Mensch etwas bemerken. Auch mit den Frauen wäre es nicht so arg, lange nicht so arg. Aber wenn ein Bein fehlt. Bei einer Frau sein . . . und nur ein Bein.‘