Ein Schakalruf ertönte in die Nachtstille. „U . . . u!“ klang es düster, „U . . . u!“
Der bleiche Kapitän horchte, fuhr in Hose und Rock und schlich, die Schnürstiefel in der Hand, strümpfig die Treppe hinunter.
Vor dem Hause, unter der Gaslaterne, stand ein Junge, elegant auf sein dünnes Spazierstöckchen gestützt, das sich fast zum Halbkreis bog: der Schreiberlehrling des Rechtsanwalts Karfunkelstein.
Die zwei Knaben schlichen dicht an den altersschiefen Häuschen eine enge Gasse aufwärts, die bis an den Fuß des dunklen Schloßberges führte. Auf dem steilen Bergrasen standen mächtige, alte Linden, durch die sich ein Sandweg hinauf zur Festung zog. Achtzehnhundertsechsundsechzig war die Festung von den Preußen genommen und geschleift worden. Seitdem lag eine Kompagnie Trainsoldaten im Schloß, und am äußersten Rand des Berges, bei einem Auslughäuschen, stand eine alte Kanone, die abgefeuert wurde, um Bürger und Feuerwehr zu alarmieren, wenn unten in der Stadt Würzburg ein Brand ausbrach.
Die Knaben standen im schwarzen Schatten, den die Linden warfen. Es war vollkommen still. Der Schreiber sah sich ängstlich um. „Horch . . . hörst du nichts?“
„Da herauf kommt kein Mensch um diese Zeit“, sagte der bleiche Kapitän, sah sich auch um und zog die Schuhe an.
„Es ist eigentlich gar nicht unheimlich . . . Wenn man nur keine Angst hat.“
„Das ist schon wahr . . . Schau, in der Elefantengaß gibt’s Gummiabsätz. Das Paar nur zehn Pfennig. Da hab ich mir fünfzehn Paar kauft.“ Sitzlings streckte der bleiche Kapitän das Bein zum Schreiber in die Höhe. „Die andern vierzehn Paar hat mei Mutter glei’ wieder zurückgetragen und hat g’sagt, die brauchet ich nit . . . Ich trau mich gar nimmer an dem G’schäft vorbei. Als ob man in seinem Leben nit fünfzehn Paar Gummiabsätzli aufbrauchen könnt. Es ist wirklich ganz unglaublich.“
„Das hätt ich mir nit g’fall laß.“
„Gott, was willst denn mach.“ Er stülpte die dicken Negerlippen mürrisch nach außen. „No, lang dauert’s ja nimmer. Die wenn wüßt, was wir vorham . . . Heiliger Gott!“