„Von mein nächste Wochenlohn kauf ich mir den Nadelschirm.“ Der bleiche Kapitän zeigte den Schirm im Katalog. „Acht Mark kost er. Hast scho amal sowas g’hört? . . . Acht Mark für’n Schirm!“ Er lachte krachend und konnte sich lange nicht beruhigen. „Er is aber auch so dünn wie ein Federhalter, und der Stoff is fast von Seide.“

Es war jetzt tiefe Nacht geworden.

Oldshatterhand wandte sich um und ging, ohne Adieu zu sagen, langsam fort. Und nach einer Weile rollten ihm die Tränen an den Wangen hinunter.

Ein Floß glitt lautlos an ihm vorbei, den Main abwärts. Vorne saß der Flößer und spielte leise die Ziehharmonika. Irgendwo in der Ferne sang ein Mädchen.

„Schloßfallenfeuer!!“ rief Meister Tritt Oldshatterhand zu, der bis ins Herz hinein erbebte.

Schleudere einen Bindfaden in die Höhe und klettere daran hinauf in den Himmel — hätte das Herr Tritt gerufen, Oldshatterhand wäre mit weniger Bangen an die Arbeit gegangen.

Noch niemals war eine Schloßfalle von Herrn Tritt geschmiedet worden ohne Angst und Beben des Lehrjungen, der dazu helfen mußte, und ohne die starren Blicke der grünlichen Augen des Meisters, denen kurze, heftige Schläge ins Gesicht folgten. Jedoch nicht die Ohrfeigen waren das Arge, sondern der Zeitraum zwischen Blick und Schlag, von dem man nicht wußte, wann er kam, und dem auszuweichen unmöglich war, denn der grüne Blick hielt fest.

Die elektrischen Türschlösser des Herrn Tritt waren berühmt in Würzburg. Und das kam von den Schloßfallen, die Herr Tritt stets selbst aus dem allerbesten Stahl im klarsten Feuer herausschmiedete, eigenhändig mit nur neuen Feilen zuarbeitete, schmirgelte, wog, schliff, um sie in das neue elektrische Türschloß des Herrn Metzgermeister Rücken oder des Herrn Trompeter Wohlleben einzupassen.

Wegen seiner elektrischen Türschlösser hatte Herr Tritt schon einige Male bankerott gemacht, weil er an einem ein Vierteljahr arbeitete, und der Preis ein solcher war, daß er es in einer Woche hätte anfertigen müssen. Jedoch, als hätte der liebe Gott selbst seine Freude an den mimosenhaften Schloßfallen, fiel der Tod der jeweiligen Ehefrau des Herrn Tritt immer mit einem Bankerott zusammen, so daß Herr Tritt seine Kunstwerke weiterhin schaffen konnte, indem er immer wieder eine Frau mit Vermögen erkor, was ihm nicht schwer fiel, denn er war ein schöner Mann und zweiter Dampfspritzenführer bei der freiwilligen Feuerwehr.

Oldshatterhand kehrte die alte Asche von der Esse, blies die Stäubchen aus den Ecken, holte die frischen Kohlen einzeln aus dem Kasten, wählte sorgfältig harzfreies Tannenholz aus und schürte ein klares Feuer an. Erschrocken griff er in die Flammen und holte einen Strohhalm heraus, der das Feuer schmutzig hätte machen können, rückte den Handhammer für den Meister zurecht, die Feuerzangen, den Vorschlaghammer für sich, fummelte mit seinem Ärmel den Ambos, bis er glänzte, und wartete.