Die kleine, dicke Frau Vierkant stand seit einer Stunde in der Würzburger Bahnhofshalle und sah hinunter in den Perrondurchgang. Hin und wieder wischte sie sich über die Augen, und ein Lächeln des Glückes entstand in ihrem verhärmten Gesicht.

Als der Zug einlief, verschwand das Lächeln; in höchster Spannung der Erwartung und des Zweifels blickte sie hinunter in den Durchgang, durch den jetzt die angekommenen Reisenden eilten. Darunter ein schlanker junger Mann in hochmodernem, blauen Anzug und mit einer schwarz-weiß gestreiften Krawatte, die sich weit heraus wölbte; sein dünnes Spazierstöckchen mit blitzender Zinnkrücke hielt er unterm Arm, denn er zog eben braune Glacéhandschuhe über.

Mit einer Verbeugung nahm er seinen steifen Hut ab vor Frau Vierkant, streckte ihr die Hand hin und lächelte.

Sie reichte ihm zögernd die ihre. Und warf plötzlich die Arme über den Kopf.

Jetzt erst hatte sie ihren Sohn Oldshatterhand erkannt; er war um mehr als einen Kopf größer geworden.

„Einen Gummimantel hast du dir gekauft?“ fragte die Mutter erstaunt.

Sechstes Kapitel

Alle Räuber waren zu Ehren des heimgekehrten Oldshatterhand in der Dachkammer des bleichen Kapitäns versammelt.

Winnetou fehlte.

Die, welche den Rauchklub gegründet hatten, mußten ihre Pfeifen vor das Fenster legen, denn der bleiche Kapitän sagte: „Rauch ist Gift . . . für einen Athleten.“