Das Gepolter in der Kegelbahn endete plötzlich. Ein schwarzhaariger Bursche schlich mit nach innen gerichteten Fußspitzen lautlos durch die Wirtsstube. Sein abgemagertes Gesicht war fleckig und ockergelb, und seine dunklen Augen glühten fiebrig. Erst kürzlich war er aus Hamburg, dem Ziel aller Würzburger Knaben, krank zurückgekehrt. Er setzte sich ans Fenster zu einem helläugigen, blonden Jüngling.
Der Kranke begleitete mit der Gitarre und sang die zweite Stimme, kaum hörbar und hohl aus dem Halse heraus, der andere die erste Stimme, rein und voller Hingabe. Es wurde ganz still in der Stube.
„Auf, Matrosen ohe!“ sangen die beiden.
„Auf die wogende See.“
„Oo . . . heee!“ sang der Zurückgekehrte dunkel und düster . . .
„Schwarze Gedanken sie wanken und fliehn,
Geschwind, wie der Sturm und Wind.“
An einem schönen Sommernachmittag stieg Oldshatterhand mit seiner Schwester und deren Freundin, Lenchen Leisegang, die vielen hundert Staffeln hinauf zum Würzburger „Käppele“, an der Leidensgeschichte Christi vorbei, welche, von der Gefangennahme bis zur Kreuzigung, in vierzehn Stationen plastisch dargestellt, Sinnbild und Ausklang der frommen, gotischen Stadt Würzburg im Tale ist.
Bürger, Bauern aus der Umgegend, alte Weiber, Rosenkränze in die dürren Hände verschlungen, knieten auf den Stufen und bewegten die Lippen im Gebet. Viele Kranke waren darunter, Katarrhalische, Schwindsüchtige, welche Gesundheit erbeteten. Und kleine Kinder, die den Herrgott um Vergebung ihrer Sünden baten.
Früh um drei Uhr hatten sie das erste Vaterunser auf der untersten Stufe gebetet, waren knieend auf die zweite Stufe geklettert, auch diese abbetend, und weiter, Stufe für Stufe, bis zur ersten Station, wo drei Vaterunser gebetet werden mußten. Immer auf den Knien rutschend, beteten sie Stufe um Stufe, Station nach Station hinter sich, bis gegen Abend das ersehnte Ziel, der Gipfel, wo Christus am hohen Kreuze hängt, endlich erreicht war und sie ohnmachtnahe am Kreuzesfuß zusammensanken.