„Vielleicht . . . eine Mark?“

Der alte Herr lächelte, nahm aus seiner Brieftasche eine Visitenkarte und ein Scheckformular und füllte es aus. „Nehmen Sie das. Und malen Sie fest weiter. Das schöne Bildchen senden Sie mir ins Hotel Kronprinz, bitte.“

Vorsichtig sah Oldshatterhand sich um, ob niemand den Bilderhandel beobachtet hatte, und blickte dann dem Fremden nach, solange er ihn sehen konnte.

Als man ihm in der Bankfiliale drei Zwanzigmarkstücke gab, sah er wie ein Irrsinniger den Beamten an und konnte kein Glied rühren.

Sofort ging er in ein Papiergeschäft. „Packen Sie dieses Kunstwerk vorsichtig ein und bringen Sie es ins Hotel Kronprinz. Sie wissen doch — das vornehme Hotel am Residenzplatz. Dort geben Sie es ab, für Freiherrn von Habenberg. Mit einer Empfehlung von Michael Vierkant . . . Das bin ich. Sie müssen sehr vorsichtig sein, das Kunstwerk hat einen Wert von sechzig Mark.“

Geblendet von seinem Glück stand er auf der Straße. Die Vorstellungen seines künftigen Künstlerruhmes jagten, übergipfelten einander, bis ins Ungemessene.

Mit einer Zigarrenschachtel unterm Arm stieg er den Schloßberg hinauf und begann in den alten Schießgräben der Festung nach Blei zu graben, um gleich noch etwas dazu zu verdienen: die Idee, Geld zusammenzuraffen, um Künstler werden zu können, hatte in Oldshatterhand feste Form gewonnen.

Das Bleigraben war verboten, obgleich nur sehr wenig da zu finden war, denn vor vielleicht fünfzig Jahren war das letztemal hier geschossen worden, und viele Generationen Knaben hatten sich seither am Blei bereichert.

Er hatte aber doch schon ein paar Pfund plattgedrückte Flintenkugeln gefunden, als plötzlich ein Infanterieoffizier hinter einem Brombeerbusch hervortrat. „Was machen Sie da!“

„Ich . . . grabe Angelwürmer.“ Er hielt dem Offizier einen langen Wurm zur Ansicht hin. Der Offizier legte grüßend die Hand an die Mütze und ging weiter.