„Häää! Ich bringe kein Blut,“ wiederholte er hämisch, und brüllte noch einmal, voller Wut Gesicht an Gesicht zum Türken tretend: „Kein Blut!“ wandte sich stracks um und ging weg. Durch den trichterförmigen Hörsaal; da stand Herr Leisegang und drehte die Kurbel des Sauerstoffapparates, während ein Kranker, in der blau-weiß gestreiften Spitalskleidung, den Schlauch in den Mund hielt und mächtig ein- und ausatmete.
„Jessas! Jessas! Jessas!“ rief Herr Leisegang und nahm den Schlauch selbst in den Mund. „Wie kann man sich so viechdumm anstellen. Jetzt drehen Sie einmal.“
In der Ecke standen die Frauen von der Hautkrankenabteilung für das Kolleg des Herrn Doktor Edelmut bereit und lachten.
„Ihr lacht? Ihr habt’s nötig! Jetzt sowas!“ rief Herr Leisegang, und der glatzköpfige Herr Doktor Edelmut blickte empört zu den Mädchen hin.
Oldshatterhand war erschrocken stehen geblieben. Unter den an Schminke gewöhnten, jetzt entschminkten, fleckigen und mit Geschwüren besetzten Gesichtern sah er das des kleinen, schönen Waisenmädchens, dessen sich der Inhaber der drei Häuschen angenommen hatte. Ihr feingeschwungener Mund war auch jetzt tiefrot. Die Lippen bildeten eine lasterhafte, wissende Mundlinie.
Seit sechs Wochen war das Kind Tag und Nacht mit den hautkranken Frauen zusammen auf der Abteilung. Sie blickte Oldshatterhand ungeniert lächelnd in die Augen. Er drückte sich an den Frauen vorbei, hinaus auf den Gang.
Da standen drei Prüfungskandidaten in Gehröcken, mit weißen Binden, und flüsterten miteinander, wie in einem Sterbezimmer.
„Herr Vierkant, ist der Geheimrat guter Laune?“ stotterte ein Großer, Dicker. „Hat er heute schon gelacht?“
Die drei Studenten umringten Oldshatterhand, der plötzlich mit seltsamem Pathos rief: „Er hat gelacht! . . . Aber wir sind gemein! Ich sage, wir alle sind gemein! Alle! Er hat gelacht.“
Die Studenten sahen entsetzt auf ihn. Selbst seine Lippen waren erblaßt.