Der blieb in Kniebeuge hocken. „Sie müssen erst einmal hinaus in die Welt . . . La Plata! Brasilien! Ha! . . . Wohin ich jetzt bald gehe. Überall hin. Brasilien! . . . Ihnen will ich’s zeigen, kommen Sie.“
„Hi! hihiha!“
Der Amerikaner packte Oldshatterhand am Arm, zog ihn unter eine Laterne und rollte das große Papier auf.
Darauf war eine gigantische Brücke gezeichnet. Eisenkonstruktion: Eine riesenhafte nackte Frau lag rücklings darunter und ihre auseinandergespreizten aufgestellten mächtigen Beine bildeten die Pfeiler. Nackte, dicke Weiber, in lasterhaften Stellungen, stürzten von oben herab; andere wurden von einem über die Brücke jagenden Eisenbahnzug zermalmt.
„Dort!“ schrie wild der Amerikaner und deutete auf die alte Mainbrücke mit den zwölf schwarzragenden Sandsteinheiligen, „die reiße ich weg! . . . Herunter mit den Heiligen! Meine Brücke baue ich hin! Morgen fange ich an. Der größte Brückenbauer der Welt bin ich! Weißt du das?“
„Ja! Ja!“ heulte Oldshatterhand auf und die Tränen brachen ihm aus den Augen. „Hi! hihiha!“ lachte Oldshatterhand, und der Amerikaner brüllte vor Begeisterung. Da wehrte Oldshatterhand wimmernd ab, griff ins Leere und stürzte bewußtlos zusammen.
Der Amerikaner setzte sich neben ihn auf den Erdboden, das Kinn auf die Knie gestützt. „Du paßt nicht hinaus in die Welt. Du nicht . . . Du paßt nicht hinaus in die Welt“, sagte er und lächelte immerzu.
Noch am selbigen Abend traf der säbelbeinige Polizeiwachtmeister den Amerikaner dabei an, wie er keuchend am Fuße des Brückenbogens mit den Händen die Erde herauswühlte. Schimpfend packte er den Amerikaner am Rockkragen, und mit gezogenem Säbel führte er den sich wütend Wehrenden zur Wache.
Am andern Tage brachte Benommen der Wirt den Amerikaner in die Kreisirrenanstalt, und zwar in die erste Klasse, wo jeder Tag zwanzig Mark kostete. So hatte es die Witwe Benommen gewollt und auch durchgesetzt, obgleich der Wirt sich energisch gegen die erste Klasse gewehrt und seiner Mutter schlagend vorgerechnet hatte, daß, wenn der Kranke nur noch neun Jahre lebe, das gesamte Vermögen der Familie Benommen beim Teufel sei. „Mein Heiner soll’s gut haben“, hatte die Mutter geantwortet.
Der Amerikaner starb vier Wochen nach seiner Einlieferung in die Irrenanstalt.