Herr Leisegang hatte sein Holzbein abgeschnallt und es neben sich auf den Stuhl gelegt. Seine Frau stellte eine große Schüssel voll Sauerkraut vor ihn hin, das mit schon zurechtgeschnittenen Schweinefleischbissen garniert war.
„Das Fleisch ist natürlich wieder zu fett“, sagte Herr Leisegang, nahm sein Holzbein in beide Hände und klopfte damit wütend auf den Tisch. Bis seine Frau hereinkam. „Wo ist meine Desinfektionsvase!“
Frau Leisegang drehte die Augen verzweifelt zur Zimmerdecke und brachte eine Blumenvase aus grünem Kristallglas. Herr Leisegang schnellte das Asbestdeckelchen herunter und tauchte Messer und Gabel in die desinfizierende Flüssigkeit. Dann erst begann er zu essen.
Im Haushalt des Herrn Leisegang wurde alles desinfiziert. Auch die Geldstücke.
Frau Leisegang setzte sich wieder in die Küche und arbeitete an einer Lumpendecke. Sie arbeitete schon ein paar Jahre daran, denn die Decke mußte sehr groß werden, um das zweischläfrige Ehebett im Schlafzimmer schmücken zu können, und es fehlte immer an Fleckchen, weil man warten mußte, bis neue Abfälle gesammelt waren. Herr Leisegang hatte sich so eine vielfarbige Decke gewünscht.
Seine Frau nähte schon eine halbe Stunde, ohne gestört zu werden, worauf sie endlich verwundert hinein zu ihrem Mann ging. Der saß in seinem Lehnsessel wie vorher und sah geradeaus, sonderbar friedlich, so daß auch Frau Leisegang froh lächelte, weil es so schön still in der Stube war. Aber plötzlich stieß sie einen sich überschlagenden Kehlton aus. Herr Leisegang war tot. Die Sauerkrautschüssel war noch warm, jedoch leer.
Frau Leisegang stand vor ihrem Mann und sann darüber nach, weshalb er so friedlich aussehe. So zufrieden, wie sie ihn in ihrer siebenunddreißigjährigen Ehe niemals gesehen hatte. Sein Holzbein hatte Herr Leisegang quer vor sich auf den Tisch gelegt.
Ein neuer Diener kam in die Klinik und der brauchte keine Hilfe.
Oldshatterhand war jetzt viel mit der Roten Wolke zusammen, nachdem er vergebens versucht hatte, die Freundschaft mit Winnetou zu erneuern, der täglich zu den Mönchen aufs „Käppele“ ging.
Er half der Roten Wolke Rüben stecken, Salat pflanzen und zeichnete in der Vesperpause Blumen ab, während die Rote Wolke Rollen studierte. „Schauspielkunst ist eine göttliche Kunst. Was täten die großen Dichter Schiller und Goethe mit ihren Tragödien, wenn’s keine Schauspieler gäbe.“ Das wiederholte die Rote Wolke täglich.