An einem Abend hatte er wieder in „Wilhelm Tell“ im Stadttheater statiert, die ganze Nacht den Wilhelm Tell studiert. Früh um fünf Uhr stand er auf dem Kartoffelacker, von der eben aufgehenden Sonne beschienen. „Durch diese hohle Gasse muß er kommen“, rief er und wies mit der Hacke die tiefe Ackerfurche entlang, an deren anderem Ende seine alte Tante kniete, schwitzend mit den Händen grub und den Kopf schüttelte über ihren Neffen, der begeistert die Furche entlang rief: „Es führt kein anderer Weg nach Küßnacht. Hier vollend’ ich’s, die Gelegenheit ist günstig.“

Und nach einem Spaziergang mit der schönen Lehrerstochter, seiner Liebsten, schrieb die Rote Wolke an den berühmten Schauspieler Konrad Drauer in München und fragte an, ob er ihn besuchen und ihm etwas vorspielen dürfe.

Am Abend des selbigen Tages saß der rote Fischer auf der Kaimauer, mit den Beinen wasserwärts, den Kopf in beide Hände gestützt, und sah traurig hinunter in den Fluß.

Als Oldshatterhand ihn fragte, ob er das Schiff ein bißchen nehmen dürfe, nickte der Fischer nur, ohne aufzusehen. Und als Oldshatterhand auf der Ruderbank saß, rief der Fischer plötzlich: „Brauch’ i denn no’n Schelch! . . . I brauch ken’n Schelch mehr . . . Häng’n nachher drübe am Stadtufer a.“

„. . . Warum denn am Stadtufer?“

„Weil i ’n dann rüberfahr muß . . . Auf die Weis’ komm i wenigstens wieder amal in mein Schelch.“

Die Rote Wolke und seine Liebste gingen auf der Kaimauer — flußabwärts. Die Lehrerstochter hatte ein sanftgerundetes, pfirsichfarbenes Gesicht. Sie trug einen schwankenden Florentinerhut und sah lieblich und naiv aus.

Der Schreiber und seine Liebste gingen auf der Kaimauer — flußaufwärts. Das Mädchen mit den braunen Zöpfen sah ängstlich und verwirrt drein. Der Schreiber hatte ein erhitztes Gesicht. Sie kamen von der dunklen Sandinsel, wo die Weiden stehen.

Beim roten Fischer trafen die zwei Paare zusammen.

„Ich rudere euch ein wenig herum“, sagte Oldshatterhand, der im schaukelnden Schelch saß.