Da Grünwiesler nicht antwortete, sagte der Briefträger: „No, dann grüß Ihne Gott“, und ging.
Versteht sich doch von selbst — angenehm sei es ihm gerade nicht, daß Grünwiesler mit Oldshatterhand verkehre, der ein ungebildeter, ja, für Grünwiesler, direkt gefährlicher Mensch sei — schrieb Immermann. Ob Grünwiesler denn wirklich so naiv sei und glaube, daß dieser Emporkömmling ihn nicht ganz einfach nur ausnütze. Das Bürschchen könne man nicht nur so mir nichts dir nichts nehmen, wie es sich gebe. Nebenbei wisse man ja auch, aus was für einer Familie Oldshatterhand komme. Auf keinen Fall natürlich dulde er, daß in seinem Kreise Oldshatterhand verkehre. Und als Freund könne er von Grünwiesler so viel Einsicht verlangen. „Nicht, daß mir besonders viel daran liegt,“ schloß der Brief, „im Gegenteil, aber immerhin wundert es mich, daß du mit diesem Vierkant den Sommer im Spessart verbracht hast, anstatt mit mir. Wenn dir an meinem Kreise noch etwas gelegen ist, dann komme. Ich male Studien auf dem Schleehof bei Würzburg.“
Grünwiesler schob die Lippen nachdenklich vor, steckte den Brief in die Brusttasche, packte sein Malgerät zusammen und trat sofort den Heimweg an.
Im Hause gingen sie einige Stunden lang aneinander vorbei.
„Wie ist das?“ fragte Oldshatterhand endlich und stellte sein angefangenes Bild auf die Staffelei.
„Die Perspektive stimmt nicht, wie gewöhnlich bei dir.“
„Dann erklär mir’s doch, woran’s liegt.“
„Ja, stimmt eben nicht . . . Wenn du von oben siehst, verkürzen sich die Linien. Das bringst du halt noch nicht heraus.“
„Du kannst nichts erklären!“ schrie Oldshatterhand erregt. „Erklär doch! Erklär doch!“
Schnell eingeschüchtert, trat Grünwiesler wieder vor das Bild.