Oldshatterhand schüttelte zornig die Hände gegen sein Bild hin. „Zeig mir doch! Herrgott, kannst du mir denn nicht zeigen, wieso das falsch ist!“
Grünwiesler wollte mit der Zeichenkohle das Bild korrigieren.
„Laß! Hineinarbeiten sollst du doch nicht! Zeigen! Zeigen!“
„Ich hab dir’s doch schon so oft gezeigt, das mit der Perspektive“, sagte Grünwiesler ängstlich und stotterte verwirrt: „Es gibt auch noch eine Luftperspektive und eine Farbenperspektive . . . Ich zeig dir’s schon.“
„Ach was! Aber wie . . . Aber wie du mir’s zeigst! . . . Daß es kein Mensch verstehen kann. Du bist . . . du bist wirklich saudumm!“
Ganz unvermittelt schlug Grünwieslers Gutmütigkeit in rachsüchtige Wut über, die an Irresein grenzte; er verlor den Atem, ein dünner, pfeifender Ton entfloh seinem Munde; aber wie schon oft in diesem Sommer, wenn Oldshatterhand machtlos den technischen Schwierigkeiten gegenübergestanden und über alles Maß hinaus ungerecht geworden war, drehte die Wut Grünwieslers sich nach innen, und in Angst vor seinem aufbrausenden Schüler sagte er stockend: „Quäl mich nicht . . . Warum quälst du mich. Es braucht halt alles seine Zeit.“ Nur ein gefährliches Flimmern war in seinen Augen zurückgeblieben, wie Irre es haben, die jahrelang sich kujonieren lassen und eines Tages in einem Rachsuchtsanfall den Wärter erdrosseln.
Das Mädchen ging vorüber und in ihr Zimmer.
Oldshatterhand wurde sofort ruhig. „Ich packe es schon noch“, sagte er und lächelte Grünwiesler an. „Für mich ist nichts zu schwer . . . Soll ich Tee eingießen?“
„Oh, das wär lieb von dir“, sagte Grünwiesler erleichtert, sah vor sich hin, in die Ecke, auf Oldshatterhand. „. . . Du, ich hab einen Brief bekommen von Immermann.“
„Was schreibt denn der?“ fragte Oldshatterhand mit gemachter Gleichgültigkeit und setzte die Teekanne wieder ab, ohne eingegossen zu haben.