„Meinen Brief hast du bekommen? . . . Wirklich, es freut mich, daß du da bist“, sagte er und drehte Oldshatterhand ostentativ den Rücken zu. Grünwiesler sah beglückt auf. Sie sprachen über eine Hühnerstudie, ohne sich um Oldshatterhand zu kümmern, der grußlos fortgehen wollte und sich haßte, weil er stehen blieb.
Die blonde Gutsherrin erschien am Parterrefenster und sah interessiert auf die Gruppe, die um den Eber herumstand. Knecht und Magd hielten ihn fest; der kleine Arzt besah ein blitzendes Messerchen.
Der Eber stieß einen langanhaltenden, schneidenden Ton aus. Der Arzt stand auf, lachte und warf etwas Blutiges auf den Misthaufen, das der Jagdhund beroch, aber nicht fraß. Alle Hühner stürzten darauf los, bildeten, auf- und übereinandersteigend, einen flatternden Kreis und verließen interesselos den Düngerhaufen wieder.
Die Gutsherrin sah, langsam errötend, Immermann an, der die Lippen verzog, wie vorher bei der Dienstmagd. Der jetzt beruhigt grunzende Eber wurde in den Stall geschoben.
Der Gutsbesitzer trat zu Immermann, der ihm die Hand auf die Schulter legte. Die blonde Frau trat vorsichtig leise vom Fenster zurück und sah dabei auf Immermann. Sie hatte schwarze Augenbrauen über den blauen Augen.
„In einem Monat können wir ihn schlachten, das heißt, ein Er ist das ja jetzt eigentlich nicht mehr. Bis dahin ist sein Fleisch eßbar. Sie sind eingeladen“, sagte der Gutsbesitzer zu Immermann.
Die Magd eilte vorbei und sah verlegen auf Immermann. Die Gutsherrin trat wieder vor ans Fenster und fragte ihren Mann: „Nun? ist der Tierarzt denn noch nicht da?“
„Ach, das ist ja schon lange vorüber.“
Immermann verzog die Lippen.
Der Gutshof lag nah am Tannenwald. Die zwei Maler und Oldshatterhand gingen am Saum entlang. Oldshatterhand war bedrückt. Warum bin ich ungerecht, da er doch wirklich herzkrank ist, sagte er zu sich. Ich bin gemein.