Grünwiesler erzählte begeistert von dem Mädchen, das ins Spessarthaus gekommen war.

„Eine Tippelschickse!“ sagte Immermann kurz. Grünwiesler schwieg betroffen.

Und Oldshatterhand hatte das Empfinden, als hätte man ihm ins Herz gezwickt. Gleich darauf aber fühlte er sich sehr erleichtert. Er prahlt vielleicht doch nur mit seiner Herzkrankheit, dachte er, und wunderte sich, daß er nicht mehr bedrückt war, obwohl Immermann weiter schlecht von dem Mädchen sprach.

„Diese Weiber haben keine Ausweispapiere.“

„Ausweispapiere! Man braucht keine!“ sagte Oldshatterhand laut.

„Und wenn du dir etwas geholt hättest bei der Schickse? Was dann?“ sagte Immermann zu Grünwiesler, als ob Oldshatterhand gar nicht da wäre.

Oldshatterhand wurde wütend, wollte das Mädchen verteidigen und brachte kein Wort hervor.

Immermann verzog die Lippen. „Da habe ich es schon etwas ungefährlicher. Die eine ist schwanger, und die Gutsherrin — — — gefällt sie dir?“ Er lächelte Grünwiesler breit an. „Ich habe übrigens wieder ein Märchengedicht geschrieben . . . Weißt du, ich glaube, ich bin Romantiker.“

„Sie sind ein gemeiner Dreckkerl!“ schrie Oldshatterhand plötzlich. „. . . Und mit Ihrer Herzkrankheit scheinen Sie doch nur zu prahlen.“ Flammend wandte er sich um und schlug allein den Weg nach Würzburg ein. Grünwiesler neigte den Kopf schulterwärts und sah ihm erstaunt mit seinem Kanarienvogelblick nach.

„Du siehst, mit so einem plebejischen Lausejungen kann man nicht verkehren“, sagte Immermann gleichgültig, seinen Zorn verbergend.