Sende mir diesen Brief umgehend zurück.“ Dieser Satz war auch mit Bleistift geschrieben und dreimal unterstrichen.
Grünwiesler hatte mit Oldshatterhand sein Geld geteilt, hatte ihm gezeigt, daß blau und gelb grün gibt, ihm mit unendlicher Geduld die technischen Schwierigkeiten überwinden helfen und es Oldshatterhand ermöglicht, aus den alten Verhältnissen herauszukommen, so daß er vorwärts kommen konnte, wenn ihm die Ausdauer nicht fehlte.
Durch die Erlebnisse dieses Tages und durch Grünwieslers Brief sehr erregt, schrieb Oldshatterhand einen langen, wirren Brief voller Hingabe und Begeisterung und schloß: „Stelle dich vor deine Tante hin, mit dem Revolver in der Hand. Gestehe ihr alles und sage: Wenn du mich anzeigst, erschieße ich mich vor deinen Augen.“
Er trug den Brief sofort zur Post.
Mit dem Gefühl, sein Körper strebe, wachse, eilte er in seine Kammer zurück und begann das Bild für die Preisaufgabe. Der Entwurf wurde eine düstere, dunkle Gasse, mit unwirklicher Helligkeit darin.
Der Brief Grünwieslers lag noch auf dem Tisch. Oldshatterhand hatte vergessen, ihn zurückzusenden.
Oldshatterhand stand auf dem Perron des Münchener Hauptbahnhofs und blickte hinaus in die blaue Helle, wo wie ein schwarzer Wurm der Nürnberger Zug gekrochen kam, in dem die Räuber saßen.
Die Freundin Oldshatterhands, in einem unter der Brust gefaßten weißen Pikeekleid, lachte verwundert, weil die Erregung Oldshatterhands sich auch ihr mitteilte. Sie hatte japanische Augen, einen kopfgroßen Rosenstrauß vor der Brust und hieß Sofie Meinhalt.
Die schwitzende Lokomotive stand. Der Dampf zischte aus. „Tyrannei! Acht . . . Stunden . . . Tag . . . Die Ruh, die Republik!“ endete der Gesang der Räuber.
„Hohaho!“ rief der Schreiber aus dem Coupéfenster, und der bleiche Kapitän streckte seinen silbernen Preisbecher heraus. „Den siebenunddreißigsten Preis hab ich!“ Die Fremden lächelten.