„Aber also und, also, das hast alles du gemalt?“
„Alles ich . . . Und du? du bist Soldat?“
„Ja also und, ich hab mich freiwillig zum Luftschifferbataillon gemeldet“, sagte der König der Luft. „Hab aber immer noch keinen Ballon zu sehen bekommen. Also was sagst du dazu? Und in diesen vier Wochen ham sie mich überhaupt noch gar nit aus der Kasern herausgelassen . . . Also weißt du, die vom zweiten Jahrgang sagen, mit hinauffliegen, das gibt’s überhaupt nit. Höchstens einen Strick dürfe man halten, von einem lumpigen Fesselballon, so groß wie ein Waschkessel. Also so eine Saubande. Wegen so einem Blödsinn hab ich mich nit freiwillig dazu gemeldet . . . Aber also und, jetzt muß ich gleich gehen, zurück in die Kasern. Sonst krieg ich Arrest.“ Er kroch unterm Tisch durch. „Am Sonntag über acht Tag hab ich Ausgang. Falkenauge, der bleiche Kapitän, der Schreiber und alle anderen lassen dich grüßen. Und übernächsten Sonntag kommen sie alle nach München, weil der bleiche Kapitän ein Preisstemmen mitmacht in Nürnberg. Und also dann kommen sie auch nach München und besuchen dich. Und also auch mich.“ Der König der Luft deutete auf einen Mädchenakt. „Lassen die sich so ohne Kleider anguck?“
„Also da verreckst! . . . So ein Bild möcht ich auch hab.“
Oldshatterhand gab ihm die Zeichnung.
„. . . Also ganz nackt. Ja aber also und, jetzt muß ich schleunigst gehn. Also grüß Gott. Am Sonntag. Sie kommen alle zu dir her. Und also ich komm auch daher.“
„Nun, und wenn der Mann vor dem Kunstladen größer gewesen wäre als ich? Es ist doch ganz gleich, ob ein Mensch einen Meter und siebzig oder einen Meter und sechzig groß ist. Auf diese Größe kommts doch gar nicht an . . . Wie einem doch alles Schwere aus der Kindheit nachläuft! Vielleicht das ganze Leben lang. Und man bekommts nicht los. Mancher bekommts nie los.“
Auf dem Tisch lag ein Brief von Franziskus Grünwiesler. Grünwiesler klagte, daß er in dem kleinen Pfaffennest, in Lohr am Main, hocken müsse, bei seiner Tante, weil die ihm zwar Essen und Wohnung gebe, aber kein Geld mehr. Obwohl er doch so dringend wie irgendeiner nach München gehöre, um Akt zu zeichnen und die alten Meister in den Galerien zu studieren. Gerade jetzt, da er eine große Komposition begonnen habe, die er ohne Modell, das in dem Nest ohne Revolution nicht zu haben sei, nicht beendigen könne. So komme er nicht vorwärts. Er sei ganz verzweifelt. Die Tante befinde sich mit Haut und Haaren in den Klauen der Pfaffen. Den ganzen Tag über hocke einer bei ihr, wenn sie nicht ihrerseits bei den Pfaffen oder in der Kirche sei. Er träume von Tonsuren und von Kutten, die durch der Tante Garten schlichen. Sie habe ihr Vermögen dem Kloster vermacht. Er, Grünwiesler, solle nur sechstausend Mark in Obligationen bekommen, nach dem Tode der Tante. Aber dann nütze ihm das Geld auch nichts mehr.
Grünwiesler schien den Brief nicht gleich abgesandt zu haben, denn der Brief hatte einen mit Bleistift geschriebenen Nachsatz. „— Ich habe die für mich bestimmten sechstausend Mark in Obligationen, die in der Truhe der Tante lagen, an mich genommen. Lebe in schrecklicher Angst, denn ich bin überzeugt, meine Tante zeigt mich an, wenn sie entdeckt was ich getan habe. Ich bitte dich, bitte dich dringend, gib mir einen Rat. Was soll ich tun? Sende mir deine Photographie, ich will das Gesicht eines Freundes sehen. Dein lebenslänglicher Freund, Franziskus Grünwiesler.