Die Räuber standen still um den Frauenakt herum. Sofie Meinhalt trat ein. „Ihr müßt jetzt hinausgehen. Die Mädchen wollen sich waschen.“ Die Modistin wischte sich lächelnd die Tränen von den Augen.
Die Räuber gingen den Gang vor bis zum Fenster und saßen auf den Treppenstufen beisammen wie im Festungsgraben.
„Warum ist denn die Kriechende Schlange nicht mitgekommen?“ fragte Oldshatterhand.
„Die Kriechende Schlange? . . . Mein Lieber, mit dem kannst nimmer verkehr. Was glaubst denn! Der steht am Vierröhrenbrunnen. Weißt . . . ein Vierröhrenbrunnensteher.“
„Ooooh!“ sagte Oldshatterhand betroffen. Er redete den ganzen Tag fast nichts mehr.
Von unten stürmte jemand herauf, stieß die Kammertür auf und prallte zurück vor den durchdringenden Mädchenschreien. „Also und hoppla! . . . Also so eine Dummheit!“ Der König der Luft ging nach vorne und begrüßte die Räuber. Sein Kopf schoß vor. Die tiefe Falte war da. „Also wie lang brauchen denn die Schneegäns noch. Bis zwölf Uhr hab ich nur Ausgang. Also da verreckst . . . waschen! am hellen Tag. Was sagt ihr dazu?“
Auf der Straße ging Sofie Meinhalt voraus, Arm in Arm mit den Mädchen. Nach dem Essen wollten die Räuber Kaffee trinken.
Oldshatterhand führte sie in das kleine Künstlercafé. Fräulein Schlauch hatte ihren Schleier wieder vorgebunden.
Beim Eintritt zuckte der König der Luft vor einem eiligst abwinkenden Infanterieleutnant zusammen und marschierte stramm an ihm vorbei, die genagelten Kanonenstiefel auf das Linoleum knallend. Die Gäste fuhren erschrocken auf.
Wie in eine Schaubude schoben sich die Räuber im Trupp in das Café, saßen still zusammengedrängt beim Fenster und blickten eine Weile betroffen auf die sonderbaren Gestalten. Da mußte Sofie Meinhalt lächeln, worauf alle Räuber in ein brüllendes Gelächter ausbrachen, daß die Gäste fragend und entsetzt in die Höhe schnellten, während der König der Luft die Räuber drohend anfunkelte und, das Kinn zur Tischplatte geduckt, zum Offizier hinwies, der jedoch ruhig in seiner Zeitung weiterlas.