„Still!“ rief der bleiche Kapitän und sah zürnend im Kreise herum.
Falkenauges gläserner Ersatz funkelte im Mondlicht.
Oben lag die mondbeschienene Festung. Vom Fuße der Festung weg, bis zu den ersten Häuschen der Stadt, fiel der königliche Weinberg steil ab, aus dessen Trauben der berühmte Leistenwein gekeltert und in Bocksbeutel abgezogen wird.
„Jeder hat sich unter seinen Weinstock zu setzen und so viel zu fressen, wie er kann“, befahl der bleiche Kapitän. „Und dann erst steckt jeder so viel Trauben ein, wie möglich, für unsere Vorratskammer.“
Die Räuber schwärmten aus und wählten jeder seinen Weinstock.
Der Mond stand jetzt voll am Himmel über der schlafenden Stadt. Die Domuhr schlug eins.
Es raschelte im Weinberg. Kleine, dunkle Gestalten krochen herum. Oldshatterhand hockte in Kniebeuge und horchte, atemlos vor Angst. Ohne hinzusehen, griff er seitwärts in den Weinstock und steckte eine Beere in den Mund. Da glaubte er, die anderen seien schon fort, rutschte erschrocken den steilen Weinberg hinab und prallte gegen Winnetou. „Wenn jetzt jemand kommt!“
Winnetou richtete sich hoch auf und sah zur alten Brücke hinunter, auf der einzelne, verkürzte, zusammengedrückte Menschen traumhaft taumelten, und sagte laut: „Wenn jetzt einer kommt, dann bleibe ich so stehen, daß er mich sieht.“
„Duck dich doch“, flüsterte Oldshatterhand entsetzt.
„Daß ihr mir fei tüchtig Trauben einsteckt“, erklang die Stimme des bleichen Kapitäns laut von seitwärts.