Oldshatterhand war zusammengefahren und riß empfindungslos, ohne noch an etwas zu denken, hastig Trauben vom Stock und stopfte sie in die Taschen.
Winnetou stieg den Weinberg hinauf und verschwand im Schatten der Festungsmauer.
„Mit dem Messer mußt du abschneiden“, schimpfte der bleiche Kapitän Oldshatterhand, „sonst werden sie ja ganz verdrückt.“
Mit zitternden Händen suchte Oldshatterhand nach seinem Messer.
Plötzlich stieß er einen gellenden Schrei aus — über ihm stieg eine klare hohe Stichflamme aus dem Weinberg in den Nachthimmel. Entsetzt blickten die Räuber zur Flamme hin. Der bleiche Kapitän kroch auf sie zu, und die Räuber hörten ihn sagen: „Herrgott, was ist denn das für eine Dummheit! Sollen wir vielleicht alle miteinander erwischt werden. Das sieht man doch von der Stadt drunten.“
Die Räuber waren hinzugelaufen. Die Flamme beleuchtete Winnetous Gesicht. „Und wenn sie’s sehen! Sie sollen’s ja sehen!“ schrie er und trat in Raserei den brennenden Weinstock nieder.
Die Wildheit Winnetous hatte die Räuber stumm gemacht. Seine Lippen zuckten. Die Tränen schaukelten an seinen Wimpern.
„Also, machen wir lieber, daß wir fortkommen . . . Wenn ihr alle genug habt“, sagte der bleiche Kapitän. Die Domuhr schlug dunkel zwei. „Wie ein Mensch so was tun kann, nur damit er erwischt wird, das versteh ich wahrhaftig nit.“
Vollbepackt schlichen die Räuber aus dem Weinberg und gelangten, jetzt auf einem ganz ungefährlichen Weg, den sie herwärts verachtet hatten, zurück in den Festungsgraben. Voran der bleiche Kapitän mit einem Waschkorb voll Trauben, den er schon am Tage vorher leer in den Weinberg geschmuggelt hatte.