„Das Meer.“

„Das Meer?“ Betroffen blickte Oldshatterhand auf den drohenden, grünen Wasserstreifen, der so schmal war, daß er manchmal von den flatternden Hemden und Windeln, die aus den Fenstern hingen, verdeckt wurde. Die schmale und doch unabsehbare Weite des Wasserstreifens machte Oldshatterhand stumm. Der Zug fuhr langsamer weiter.

Da standen im Hafen unzählige Schiffsmasten gereckt und gespreizt in die Luft, und das Meer wurde Oldshatterhand zum Meer.

Hoch oben trotzte das Fort, und von ihm weg den Berg hinunter, bis zum schiffgefüllten Hafen, lag in der Sonne die mächtige, weiße Stadt Genua.

Ein barfüßiger Italienerjunge mit einem Pack Zeitungen unterm Arm schritt auf dem Perron am staubigen Zug entlang und sang: „Co . . . rri . . . ere Della Sera. Corriere Della Sera. Corriere Della Sera.“

„Das klingt wie ein schönes Lied“, sagte Oldshatterhand und lächelte, weil ein Dutzend Gepäckträger kindlich vorgebeugt standen und mit dem Zeigefinger auf ihre Brust deuteten: „Si Signore? Si Signore? . . .“

Sie fuhren in einer offenen Droschke, überdacht von einem rot und weiß gestreiften Riesensonnenschirm, durch die vom Korso belebte Hauptstraße, bis zu einem der alten Paläste.

Als sie das hohe Bogenportal betraten, wo die von der Decke hängende große Ampel schon brannte, obwohl es noch hell war, reichte der Portier dem Fremden ein Telegramm.

„Ich muß noch heute weiterreisen. Tief hinunter nach Spanien. Zu meinem Freund.“

Außer der alten Frau mit dem Schlüsselbund, dem Koch und dem Portier war Oldshatterhand allein im stillen Palast. Er bewohnte einen gewaltigen Salon, und an dem vergoldeten, zwei Meter breiten Himmelbett im Schlafzimmer hingen schwere Portieren. Manchmal hörte er den Schlüsselbund klingen und verklingen.