„Du und ich, wir halten zusammen“, erwiderte Grünwiesler und hieb Oldshatterhand die Hand auf die Schulter.
„Wir werden viele Bilder malen und sie auf alle Ausstellungen schicken. Kopieren darfst du nicht mehr so viel. Das ist doch nicht das Richtige. Kopieren kann jeder.“
Er schob die Hummermayonnaise zurück. „Ich hab keinen Appetit.“
Grünwiesler wurde blaurot im Gesicht und schrie plötzlich: „Jetzt halt ich’s nicht mehr aus! . . . Meinst du denn wirklich, ich hätte meiner Tante ihre sechstausend Mark gestohlen!“ Er starrte Oldshatterhand an.
Der atmete nicht und hatte die Empfindung, mit kühler Luft ausgefüllt zu sein bis zum Gaumen. „Du hast die sechstausend Mark nicht? . . . Warum hast du mir denn dann geschrieben, als ich von allem noch gar nichts wußte, du hättest die sechstausend Mark genommen?“
Grünwiesler balancierte immer noch das Stück Goulaschfleisch auf der Gabel und starrte Oldshatterhand immer noch an. „Ich wollte eben erfahren, was du mir darauf antwortest. Verstehst du?“ Er lachte und sah Bratmund an.
„Aber warum hast du mich denn aus Italien zurückkommen lassen, damit ich dir helfe? Das hättest du doch dann nicht zu tun brauchen . . . Ich wohnte in einem Palast.“
„Warum? . . . das wirst du schon sehen. Ich will dir einmal sagen, was du nicht hättest tun dürfen . . . Du hattest neunzig Mark, und hast mir den ganzen Sommer über im Spessart nichts davon gesagt und dich von mir erhalten lassen. Du bist ein ganz gemeiner Kerl. Und ich Esel glaubte, du wärst mein Freund.“
„Ich bin kein ganz gemeiner Kerl“, flüsterte Oldshatterhand. „Ich wollte doch mit den neunzig Mark Maler werden. Wer hat’s dir denn gesagt, daß ich neunzig Mark besaß? Die waren doch daher, weil ich einmal ein Bild verkauft habe, auf der alten Brücke in Würzburg.“
„Ich will dir einmal etwas sagen.“ Grünwiesler schob den Goulaschbrocken in den Mund. „Wenn nicht einmal deine eigene Mutter mehr an dich glaubt, dann . . . na weißt du. Sie hat den Brustbeutel mit den neunzig Mark eines Tages in deinem Strohsack gefunden und kam ganz verheult zu Immermann gelaufen und erzählte ihm, was du für ein gemeines Bürschchen bist, weil du einen Haufen Geld hast, während sie und dein Vater sich vor Sorgen nicht retten können . . . Immermann hat mich daraufhin endlich aufgeklärt, was du eigentlich bist. Da hast du’s. Und jetzt verschwinde.“