Der Diener trat mit Vehemenz wieder aus dem Zimmer und schloß die Tür leise.
„Da wurden früher die Verbrecher gehängt — an den Galgen. Auf dem Letzten Hieb . . . Erschieße ich dich? Was! Nein! Erschieße ich mich! Mich! hab ich geschrieben“, schrie er und stürzte mit ein paar Sprüngen zurück zum Arzt, riß die Tür auf und stand im Ausfall ins Zimmer hinein, ohne die Türklinke loszulassen. „Erschieße ich mich! Mich! hab ich geschrieben. Ich erschieße mich!“ rief er drohend und schloß, sich dabei aufrichtend, die Tür.
Als er das Justizgebäude verlassen wollte, holte ihn ein Gerichtsdiener ein und führte ihn zum Arzt zurück.
Der saß aufgestützt am Tisch und betrachtete die Photographie Oldshatterhands, wie ein Vater das Bild seines Kindes ansieht. „Würden Sie noch einmal so einen Brief schreiben? . . . Setzen Sie sich noch ein bißchen.“
Oldshatterhand legte die Hand in die Hüfte, sah sinnend zur Zimmerdecke in die Höhe und dann auf den Arzt. „Das weiß ich nicht“, sagte er gedehnt. „Man tut mir unrecht. Aber daß man mir unrecht tut“, schloß er mit zuckenden Lippen und lächelnd, „das halte ich aus.“
Der Arzt antwortete nicht, sah Oldshatterhand nur still und aufmerksam an und spielte mit der Photographie, stellte sie auf, betrachtete sie, ließ sie umfallen. Während dieser Stille dachte Oldshatterhand daran zurück, daß er als Lehrjunge, anstatt einfach seinen Hut aufzusetzen und davonzulaufen, erst zum Meister Tritt gegangen war und sich den Schlag ins Gesicht geholt hatte. Und er sagte zum Arzt: „Die Polizei weiß, wo ich wohne. Sie muß kommen. Ich warte . . . Ich brenne nicht durch. Ich halte lieber alles aus.“ Er sah den Arzt an. „Jetzt gehe ich. Adieu.“
„Ist das die einzige Photographie, die Sie von sich haben?“
„Ich hab nur diese noch. Kann ich sie vielleicht bekommen? . . . Sie gehört doch eigentlich mir.“
„Nein, Herr Vierkant, die Photographie muß bei den Akten bleiben.“
„Bei den Akten?“ fragte Oldshatterhand, und seine Mundhöhle wurde trocken. Die Angst sprang ihn an. Der Arzt beobachtete die Veränderung.