„Wir müssen nur immer fest zusammenhalten!“ rief Oldshatterhand erregt. „Oh, im wilden Westen . . . Ihr werdet’s schon sehen . . . Wenn einer von uns in Würzburg bleiben will . . ., um vielleicht eine Frau zu heiraten, dann soll er’s lieber gleich sagen.“

Der bleiche Kapitän drückte Oldshatterhand mit einem Blick in die Ecke: „Wie du glauben kannst, daß einer von uns so ein dreckiger Feigling ist, das versteh ich ganz einfach nit.“

Plötzlich sprang wie aus dem Hinterhalt der König der Luft in die Mitte und rief: „Ich, der König der Luft, lese jetzt vor: das hundertundsiebenundneunzigste Kapitel aus ‚Die bleiche Gräfin oder Der Mord im Walde‘. Da sind wir’s letztemal stehen geblieben.“ Der König der Luft war Lehrling in einer Drahtgitterfabrik, sehr ehrgeizig und ein scharfer Rivale des bleichen Kapitäns; er sprang von immer höheren Mauern herunter, um seinen Ruhm zu steigern und eines Tages die Hauptmannschaft an sich zu reißen. Er war dünnlippig, braunhäutig und hatte ein Indianerprofil.

„Wollen wir nicht lieber das Räuberlied singen?“ fragte Oldshatterhand.

Da knöpfte der König der Luft energisch den untersten Knopf seines Röckchens zu, reckte das gelbe Heftchen zur Decke und rief: „Die bleiche Gräfin!“

„Räuberlied!“ brüllten die anderen.

„Also, also Räuber —, also Räuber — Räuberlied!“ rief schnell und sich überstürzend der König der Luft und stand im Ausfall, die Faust geballt. Der Rockknopf sprang ab, sein Hals schoß wagerecht vor, und das Gesicht stand senkrecht. Er mahlte mit den Zähnen und preßte die Lippen schief zusammen. Seine tiefe Stirnfalte entstand. So hub er an zu singen, und die Räuber hörten zu.

„Stehlen, morden, huren, balgen,

Heißt bei uns nur die Zeit zerstreun.