„Also und, also da hinten hockt er“, flüsterte plötzlich der König der Luft, der Herrn Lehrer Mager entdeckt hatte. „Also und, ich geh.“
Winnetou war mit Oldshatterhand gegangen.
Vor einigen Wochen hatte Oldshatterhand einen Zwetschgenkern in die Erde gelegt, auf daß ein Bäumchen daraus werde. Er und Winnetou mußten lange suchen, bis sie die Stelle wiederfanden. Endlich sah Oldshatterhand ein streichholzgroßes, zartes Stengelchen, an dem drei herzförmige Blättchen waren, und rief: „Das ist mein junger Zwetschgenbaum!“
Sie knieten nieder. Um sie herum lagen zerbrochene Töpfe, zerknüllte, nicht mehr brauchbare Blecheimer, Flaschen, Gipsbrocken, stinkende Gemüseabfälle. Es war der Schuttablagerungsplatz vor der Stadt. Oldshatterhands Lieblingsaufenthalt. Ein mit grünem Schlamm überzogenes Altwasser, in dem es Feuersalamander gab, war auch da, von Haselnußsträuchern umstanden.
Oldshatterhand drückte das Stengelchen mit dem Zeigefinger vorsichtig zur Seite und ließ es zurückschnellen. „Es hat schon ziemlich viel Kraft.“
Sie setzten sich, die Beine auseinandergespreizt und die Fußsohlen gegeneinander gestemmt, so daß das Stengelchen in der Mitte war.
„Wie lange braucht’s, bis was dranhängt“, sagte Winnetou bedauernd und drückte das Stengelchen auch zur Seite.
Oldshatterhand sah es schon als Baum: „Alles, was er trägt, gehört mir und dir. Er wächst schnell, hier ist der Boden gut.“
„Es braucht auch viel Sonne und Regen.“
Oldshatterhand sah zum bewölkten Himmel empor und wieder auf das Stengelchen; er empfand einen Druck über dem Herzen, weil er so klein bei dem kleinen Pflänzchen saß und die Zeit ihm unüberwindbar schien; seine Sehnsucht machte einen Sprung, und er sagte: „Wenn ich dann einmal zurückkehre, als . . . wenn ich dann einmal als ein Fremder zurückkehre . . . in einem Gummimantel, dann ist es schon ein großer Baum geworden, der gestützt werden muß.“