Vor seiner Haustür schob Winnetou das Buch zwischen Hemd und Brust und wollte in sein Zimmer schleichen.
Die Mutter öffnete die Tür der guten Stube und rief streng: „Da komm mal her!“ Sie war eine hagere Frau mit dunklen Augen. Ein silberner Christus baumelte an ihrer Brust.
Der junge Kaplan, mit gesundroten Flecken unter den hervorstehenden Backenknochen, saß, wie immer in seiner freien Zeit, auf dem Kanapee neben der blassen, schönen Schwester Winnetous. Kaffee, Kuchen, Likör standen auf dem Tisch.
„Wo hast du das Buch!“ rief die Mutter. Winnetou blickte verwirrt auf die Heiligenbilder, die an allen Wänden hingen.
„Weißt du nicht, was man zu tun hat, wenn man eintritt!“
Winnetou ging zum Weihwasserkessel bei der Tür, tauchte die Finger ein und schlug das Kreuz.
„Nun?“
Zögernd ging er zum Kaplan und gab ihm die Hand. „Gelobt sei Jesus Christus.“
„In Ewigkeit, Amen . . . Was ist es denn für ein Buch?“ fragte der Kaplan und nippte vom Likör.
„. . . Wirst du dem Herrn Kaplan Antwort geben! . . . Hochwürden verzeihen.“ Sie tastete Winnetou ab und zog das Buch hervor.