Der Kaplan blätterte im Buch und las vor: „Oldshatterhands Eisenfaust hatte die Rothaut getroffen. Ohne einen Laut von sich zu geben, sank der rote Mann tot zu Boden.“
Winnetous blasse Schwester sah still vor sich hin.
„Solche Lektüre darf man Kindern nicht in die Hände geben, Frau Steinbrecher . . . Denken Sie an die entwendete Schultinte.“
Frau Steinbrecher wurde blutrot. „Von wem hast du das Buch!“
„Vom bleichen . . . von Oskar Benommen.“
Die Mutter legte das Buch neben die Mutter Gottes auf die gehäkelte Decke, welche über die polierte Kommode gebreitet war. „Morgen gehe ich mit dem Buch zu Frau Benommen . . . Vorwärts!“
Winnetou sah seine Mutter entsetzt an.
„Wird’s bald!“
Langsam ging er zur Kommode, nahm aus der Schublade ein Lineal aus Eichenholz und reichte es der Mutter. Scham verdunkelte Winnetou den Blick; das Blut war ihm hinter die Augen getreten, als er die Hand vorstreckte.
„Jetzt komm!“ rief die Mutter nach der Züchtigung und führte ihn am Arm hinaus, hinauf in sein Zimmer. Ihr Gesicht war weiß, die Augen schwarz geworden. Plötzlich schlug sie Winnetou ins Gesicht und verließ wortlos das Zimmer. Die Tür verschloß sie.