„Ja, also los! Wir müssen jetzt ins Eckertsgärtle!“ rief der bleiche Kapitän. „Ich werde dem Streberle sagen: wenn Sie’s Maul halte, kriege Sie Ihren Hobel wieder. Denn das wär ja . . . wenn der uns anzeiget . . . ich weiß ja gar nit, was da wär.“
Mit jedem Schritt, den die Räuber den Brückenberg hinaufgingen, wuchsen die Sandsteinheiligen der Brücke und die Kirchtürme höher in den Sternenhimmel, bis zuletzt die ganze Stadt vor ihnen lag.
„Wollen wir nicht lieber ins ‚Zimmer‘“, fragte Oldshatterhand. „Wir zünden die zwölf Kerzen an, das ist doch schöner.“
„Hohaho!“ rief der Schreiber. „Oldshatterhand hat Angst, in die Wirtschaft zu gehen.“
„Angst? Was hat denn eine Wirtschaft mit den Indianern zu tun?“
„Haben denn Kerzen was mit den Indianern zu tun?“
„Kerzen? — Kerzen haben was mit Indianern zu tun.“
„Also der spinnt!“ Der König der Luft, der beim Fortgehen in der Küche den Knochen einer Kalbshaxe mitgenommen hatte, kletterte am heiligen Kilian hinauf und gab ihm den Knochen in die Faust, in der früher einmal ein Kreuz gesteckt war. Wochenlang hielt, das Gesicht ekstatisch himmelwärts gerichtet, der heilige Kilian die Kalbshaxe in der Faust, und neben ihm streckte der heilige Totnan, den Versucher abwehrend, erhaben die Hände gegen den Knochen aus.
Der König der Luft kletterte wieder herunter, bis auf das Brückengeländer, und fing an, mit großer Vorsicht darauf zu laufen; die Räuber folgten seinem Beispiel: mit den Armen balancierend, liefen sie, eine lange, dunkle Reihe, langsam auf dem schmalen Steingeländer über die ganze Brücke, warfen die Arme wildschreiend in die Höhe und sprangen wieder auf das Pflaster.
Oldshatterhand war stehen geblieben und wandte sich um zur Festung. Plötzlich schwang auch er sich auf das Geländer, schloß die Augen — und rannte los, im Galopp. Die Bürger standen entsetzt, atemlos; die Räuber geduckt, sprungbereit, und wagten, vor Angst, Oldshatterhand würde in die Tiefe fallen, keinen Warnlaut von sich zu geben, bis Oldshatterhand bei ihnen angelangt war und herunter in Sicherheit sprang.