Ohne seinen Säbel mußte er heim in die Kaserne.
Noch in derselben Nacht gingen die Räuber durch den unterirdischen Gang ins „Zimmer“ und brachten den Säbel zu ihren anderen Waffen, wo er seitdem verblieben ist.
„Dieser Streich hätte von meinem Bruder in Amerika sein können“, sagte der bleiche Kapitän.
Sie stiegen den Schloßberg hinunter und blieben bei der letzten Linde stehen, wo ihre Wege sich trennten.
Neben dem geistesabwesend vor sich hinstarrenden Winnetou stand frierend und grünbleich Oldshatterhand. „Was hat das alles, was wir heut gemacht ham, eigentlich für einen Wert“, sagte er, und rief, plötzlich zornig, weil er den Widerstand der Räuber fühlte: „Für uns hat das gar keinen Wert! sag ich . . . Für uns nit!“
„No und der Säbel?“
„Ich geh jetzt heim“, sagte der Schreiber. „Es is einfacher, wenn ich gleich heim geh.“
Der Trupp setzte sich zögernd in Bewegung und verschwand in der Schloßgasse.
Winnetou war am Lindenstamm lehnen geblieben. Langsam stieg er den Schloßberg wieder hinauf, ging unter Grauenschauern durch den sammetschwarzen unterirdischen Gang ins „Zimmer“ und zündete eine Kerze an.
Die Kerze in der Hand, starrte er die Mauer an, sah den Kaplan und die Schwester auf dem Kanapee, die Mutter, wie sie ihn schlug, und verzog die Lippen zu einem schadenfrohen Lächeln bei der Vorstellung, wie ungeheuer die Mutter erschrecken würde, wenn sie ihn erschossen ins Haus gebracht bekäme. Er sah, wie die Mutter jammernd über seine Leiche fiel, und sagte plötzlich haßerfüllt: „So, da hast du’s jetzt. Geschieht dir ganz recht. Ganz recht.“ Schleichend näherte er sich der Glasvitrine und blickte auf den alten Revolver, der durch die Brechungen des runden Glases verdreifacht unter der Vitrine lag.