Die Gerichtsstube war niedrig. Die Richter saßen breit hinter der Barriere, daneben saß der Staatsanwalt, ihm gegenüber der Verteidiger, Rechtsanwalt Karfunkelstein — des Schreibers Chef —, alle in schwarzen Talaren. Neben Herrn Karfunkelstein, auf der langen Bank, saßen die Räuber, in ihren Sonntagsanzügen. Hinter ihnen, dicht gedrängt, die Zuschauer; darunter die erregten Väter ihrer Söhne. Ganz im Vordergrunde, die dürren Hände vor dem Bauch gefaltet, mit müden Augenlidern, den Kopf leidend schulterwärts geneigt, saß die Witwe Benommen und blickte trübe auf den bleichen Kapitän. Und neben ihr, die Mundwinkel verbittert zurückgezogen, daß sich kleine Apfelbäckchen bildeten, saß kerzengerade Herr Lehrer Mager.
Der Richter, ein großer Mann mit braunem Reiterschnurrbart und geröteter starker Nase, blickte schon eine Weile unverwandt mit seinen guten Augen streng von einem Räuber zum andern. „Oskar Benommen, du sollst ja der Anführer von dem netten Geschichtchen gewesen sein. Erzähle uns jetzt, wie war die Sache.“
Die Witwe Benommen schoß in die Höhe. „Der da, der kleine Vierkant, Herr Richter, der ist der Verführer von meinem Sohn. So klein er ist, so frech und verdorben ist er . . . der Teufel.“
Der Schnurrbart des großmächtigen Richters zuckte. Und während Oldshatterhand, bleich geworden, auf der Bank herumrutschte, brüllte der Richter: „Das Maul gehalten! Und du, infamer Halunke, stehe jetzt auf und rede.“
Der bleiche Kapitän stülpte die Lippen nach außen. Das war alles. Es war still.
„Den Kopf reißen wir dir nicht herunter“, lenkte der Richter ein.
Da spreizte der bleiche Kapitän die langen, knochigen Finger an den senkrecht hängenden Armen und sagte, nicht im Baß, sondern mit seiner natürlichen, sehr hohen Stimme und sehr schnell: „Ja also, wir war’n halt droben in unserm Festungsgraben um unser Lagerfeuer herumgesessen und da hat’s zwölf Uhr geschlagen und da sind wir in den Weinberg und ham unsere Trauben gegessen . . . und ham uns auch ein paar mitgenommen, und später sind wir heimgegangen.“
„Unser Lagerfeuer! Unser Festungsgraben! Unser Weinberg! Unser! Unser! Unser! . . . Nun, und wo sind denn die paar Trauben hingekommen? die ihr noch mitgenommen habt.“
„Ja die . . . also die . . . die ham wir auch gegessen.“
Im Zuschauerraum war es ganz still.