„Michael Vierkant! Wo sind die Trauben hingekommen?“
Oldshatterhand ließ sich von der für ihn zu hohen Bank heruntergleiten und ging ganz langsam bis knapp vor das Richterpult.
Der bleiche Kapitän warf einen flehenden Blick auf ihn, den Oldshatterhand aber nicht bemerkte. Er sah, die Hand dargereicht, zum Richter in die Höhe, sagte fein und leise: „Zuletzt waren keine Trauben mehr da“, und schrak furchtbar zusammen, als der Richter brüllte: „Kleiner Schuft! weißt du nicht, daß die Trauben unserem Prinzregenten gehören! Und daß der Prinzregent in Würzburg geboren ist! Und ihr Gauner stehlt ihm seine Trauben! . . . So ein winziger Frosch, stiehlst dem König seine Trauben.“
Der Richter hatte Oldshatterhand am wehesten Punkt getroffen. Die Lippen zitterten ihm. Erregt stieß er hervor: „Ich wachse noch!“
Es gelang dem Richter, ernst zu bleiben. „Setze dich. Und merke dir das, wenn du den Prinzregenten kennen würdest, dann würdest du seinen Weinberg in Ruhe lassen.“
„Ich kenn unseren Prinzregenten. Weil ich ihm einmal einen Blumenstrauß gegeben hab. Damals, wie die neue Brücke eingeweiht worden ist. Ich hab ja sogar meinen Hut dabei verloren, so ein Gedräng war.“
„Und meinst deshalb, du kannst ihm seine Trauben stehlen? . . . Jetzt hört mich einmal an. Wenn ihr nicht gesteht, wo ihr die Trauben versteckt habt, sperre ich euch ein, bis ihr alt und grau seid . . . Hans Lux! Wo sind die Trauben hingekommen.“
Die tiefe Falte war da. Der Hals schoß wagerecht vor; der König der Luft mahlte mit den Zähnen und schnalzte nervös mit den Daumen, wobei seine Fäuste fest an die Schenkel angepreßt blieben.
„Was habt ihr dann gemacht? Ihr seid aus dem Weinberg zurückgestiegen, und . . .?“
„Und ham sie gegessen“, flüchtete der König der Luft eilig über die Traubenaffäre weg und fuhr fort: „Also, aber also und, dann wollte ich das hundertsiebenundneunzigste Kapitel aus ‚Die bleiche Gräfin oder Der Mord im Walde‘ vorlesen. Aber also . . . also und . . . also aber, Oldshatterhand wollte, daß wir das Räuberlied singen.“