„Nein. Hans Widerschein, komm einmal du erst her.“

Der Schreiber, der schon bei vielen Gerichtsverhandlungen für Herrn Karfunkelstein tätig gewesen war, schritt frei zum Richterpult.

„Herr Mager, bei Ihnen waren ja alle diese Knaben in der Volksschule. Vielleicht können Sie uns eine Handhabe geben, wie etwas aus ihnen herauszubringen ist.“

Herr Mager stand wie ein Spazierstock. „Vorerst muß ich bemerken, Herr Amtsrichter, daß ich diese Buben auch jetzt noch abends in der Fortbildungsschule habe, und sie auch als Rekruten wiederbekomme. Und dann: es war mir nie möglich, mit ihnen fertig zu werden, ohne sie empfindlich zu strafen. Mit der ganzen Härte, die mir zustand! Drittens habe ich manchem von diesen schon in der Volksschule prophezeit, daß er einmal im Zuchthaus enden werde. Viertens, diese zwölf Schüler steckten immer zusammen. Ein Beweis dafür ist, daß sich von diesen Zwölfen niemals einer gemeldet hat, niemals! wenn ich rief: Wer meldet sich?“

„Wie meinen Sie das, Herr Mager?“

„Herr Amtsrichter, wenn ein Knabe eine exemplarische Züchtigung verdient hat, rufe ich: Wer meldet sich? Es melden sich dann immer welche freiwillig, die ihren Mitschüler während der Züchtigung auf dem Stuhle festhalten.“

„Nun . . . ich danke, Herr Mager“, sagte der Richter und erholte sich langsam von seinem Staunen.

Der Richter frug weiter, einmal den, unverhofft einen anderen, brüllte und war jovial. Es half ihm alles nichts. Die Räuber hatten dem bleichen Kapitän vor der Verhandlung einen langen Eid schwören müssen, das „Zimmer“ nicht zu verraten, von dessen Existenz kein anderer Knabe, kein Mensch in Würzburg wußte.

Oldshatterhand hatte vor Jahren einmal in „Der tote Mann im Keller oder Verfolgt über alle Länder und Meere“ von verborgenen Falltüren gelesen, daraufhin die Festungsmauern abgeklopft und war furchtbar erschrocken, als eine Stelle hohl geklungen hatte. Er und der bleiche Kapitän hatten so lange gebohrt, gekratzt, gelockert, bis ihnen der Verschlußstein des unterirdischen Ganges zu Füßen gefallen war.

„Andreas Steinbrecher, komme du einmal her zu mir und denke an deine Mutter. Sie ist eine ehrenwerte Frau.“