Auf den Zehenspitzen balancierend, bewegte Oldshatterhand den Oberkörper hin und her, um den Fremden so lange wie möglich sehen zu können.

Ein Mann mit einem Fensterflügel auf der Schulter kam auf ihn zu.

„Sie . . . Sie!“

Der Mann blieb stehen.

„Kö . . . können Sie mir nicht sagen, wo die Domstraße ist? . . . Ich bin fre . . . fre . . . fremd in Würzburg.“

Verblüfft sah der Mann Oldshatterhand an. „Du bist doch der Sohn vom Schreiner Vierkant . . . Du Lausbub! Dir geb ich . . .“ Er hob die Hand. Oldshatterhand wich zurück und sah zwischen Lachen und Weinen dem Manne nach.

Beim Julius-Echter-Denkmal holte er seine Mutter ein, eine kleine, dicke Frau mit nachdenklichem Gesicht, worin die klugen, guten Augen über Last und Sorgen und Auswegen nachsannen. Unvermittelt konnten die Furchen der Sorge in ihrem Gesicht sich in Linien der Güte verwandeln.

Sie schleppte einen großen Henkelkorb, dessen Deckel klaffte, so daß die Kleider, die der Korb barg, zu sehen waren. „Sechs Mark waren diesmal drauf. Und siebenundzwanzig Pfennig Zinsen hat er mir abgenommen . . . Fünf Mark muß ich dem Vater geben, für Vesper- und Ausgehgeld, bleiben mir von seinem Lohn drei Mark für die ganze Woche. Und damit soll ich Essen für vier Kinder und einen Mann auf den Tisch stellen . . . Die Hausmiete ist auch schon fällig. Wenn ich nur einmal nimmer leben tät.“

Oldshatterhand schwieg eine Weile und fragte dann, was es heute abend gäbe.

„Für’n Vater hab ich a Täuble“, sagte die Mutter und stellte ihren Korb ab. „Er ißt’s doch so gern . . . Ja no, er muß ja die ganze Woche hart arbeiten . . . Und wir, wir trinken halt unsern Kaffee. Trägst mir e bißle helf? . . . Siehst, das ist für dich.“ Sie holte aus dem Korb ein Stückchen Kuchen und legte Oldshatterhand die Hand auf die Schulter. Ihr Gesicht wurde tiefrot, sie lachte, daß ihre Schultern schütterten, und konnte sich gar nicht beruhigen, weil sie ihren Sohn mit Kuchen überrascht hatte.