Seitdem er die Zelle verlassen hatte, deckte sich sein scharf zu denken fähiges Gehirn glatt mit einem neuen, tiefen Verantwortungsgefühl, das der Dichter angesprochen und herausgefordert hatte. Er schob die Tatsache, daß er dem Gesetze nach dem Dichter gegenüber im Recht blieb, als vollkommen nebensächlich zur Seite und war bemüht, sich klar sein Problem zu stellen.

„Die andern Elf sind überzeugt, im Recht zu sein. Dann sind sie ja für sich im Recht . . . Gut für sie. Aber ich, ich habe da etwas erkannt . . . nur ein bißchen zu spät, ein bißchen zu spät. Würde jetzt nicht mehr dazu helfen, daß im Namen des Rechtes von einem Menschen . . . einem Menschen der Kopf heruntergeschnitten wird . . . im Namen des Rechtes. Hab aber dazu geholfen. Was ist da zu tun? He?“

Automatisch blieb er vor des Oberstaatsanwaltes Tür stehen. „Umsonst. Es wird zu spät sein.“ Und trat ein.

„Ja, das vom Herrn Verteidiger eingereichte Begnadigungsgesuch ist abgelehnt. Bitte.“

„So?“

„Nein! Da ist nichts mehr zu machen.“

„Und wenn . . . wenn aber . . .“

Schon mit der höflichen Abschiedsverbeugung: „Und wenn die ganze Welt einstürzt.“

„Dann ist . . . meine eingestürzt.“ Die geölte Tür schloß sich sanft hinter dem Einäugigen. „Keine Hilfe mehr?“

Die Mutter trat aus der Zelle. „Wo ist denn der Nausgang, Herr?“