Jemand grüßte ihn tief; er bemerkte es nicht. „Die Ursachen des Bösen, der Roheit, der Morde wegräumen, hat er gesagt, denn sonst wird weitergeköpft, noch in hunderttausend Jahren . . . Und jetzt wird er geköpft. Und ich? . . . Ich bin sein Judas Ischariot.“ Er fühlte eine schmerzliche Heiterkeit in sich entstehen, wie Menschen sie empfinden, die endlich entschlossen sind, etwas Unabwendbares, Schweres auszuführen.

So sah er auf die Mutter hinunter.

Die humpelte eilig quer über den Asphalt. Das Auto kam in voller Fahrt auf sie zu. Der Chauffeur wich nach rechts aus, sie gleichfalls. Die Gummi schleiften und rauchten, als er den Wagen scharf nach links riß — während sie gleichfalls nach links sprang und er zugleich mit ihr wieder die rechte Seite zu gewinnen suchte. Hin. Her. Zuletzt konnte sie nur noch den Oberkörper nach links und nach rechts schwenken, immer in der Richtung des zickzackfahrenden Autos — da setzte der Einäugige auf sie zu, und sie schwebte am Leibe des Einäugigen knapp vor dem Auto in Sicherheit.

Jetzt erst schrieen die Passanten erschrocken auf. Und der Wagen war schon um drei Häuser weiter, ehe ihn der Chauffeur zum Stehen bringen konnte.

„No, jetzt so was“, sagte sie. Sofort kehrten ihre Gedanken zum Sohn zurück. Sie murmelte: „Och, du lieber Gott“, und wollte weitergehen, da wurden ihre Kniee weich.

Der Einäugige rief nach dem Auto. Der Chauffeur entschuldigte sich.

„Ja, mit so was fahr ich nicht.“

Er mußte eine Droschke nehmen.

„Jetzt wär ich tot“, sagte sie im Wagen. „Wärs vorbei.“

Hab ich zum Ersatz seine Mutter gerettet . . . Nein, nein, das ist ganz ohne Belang. „Ganz ohne Belang“, sagte er und machte eine Handbewegung.