„Gegürtete Schmerzen sind fett. Aber was ist das: eine nackte Negerin reitet auf einem schneeweißen Pferd, und neben ihr reitet ein nacktes weißes Mädchen auf einem schwarzen Pferd. — Das kann man sich gar nicht gleichzeitig vorstellen.“

„Geht nicht? Negerin auf Schimmel“, deutete er und kniff die Augen zusammen, „nacktes weißes Mädchen auf Rappen. Ja, natürlich, das ist Zeit . . . ursache.“ Erleichtert atmete er auf.

Da sahen seine Augen die allen bösen Ursachen entstiegene einfache Stadt. Wunderbar breite Straßen, rosa Marmorhäuser, von ziselierten Säulen flankiert, mit flachen Dächern. Weite Plätze von ungeheurer Flachheit und herrlicher Säulenarchitektur. Viele Statuen nackter Mädchen stehen auf hohen Postamenten. Eine Schar vierzehnjähriger Mädchen mit nackten, sonnenbraunen Oberkörpern, Knieröckchen und Sandalen radeln die glatte Straße hinunter, mit lachenden Backen, und verschwinden. Die Straße ist leer. Leises silbernes Singen ertönt.

Er lächelte selig. „I streun jetz e bißle am Wasser rum.“

Der Schließer trat wieder ein. Mit ihm ein zweiter Schließer, der Priester, der Staatsanwalt, noch eine Anzahl Menschen, so daß die schmale Zelle plötzlich voller schwarzgekleideter Männer war. An der Tür stand der junge Offizialverteidiger mit frischem Gesicht, den glänzenden Zylinder in der Hand.

Der Dichter stand auf, machte den Eingetretenen eine höfliche Verbeugung, lächelte, ging auf sie zu und streckte ihnen beide Hände herzlich zum Empfang hin.

Die Schließer drehten sie nach hinten und legten Handschellen daran.

Der Dichter ließ es lächelnd geschehen, sprach unterdessen seitwärts zum Staatsanwalt gewandt: „Bitte, entschuldigen Sie nur, das damals . . .“

Der Staatsanwalt verbeugte sich und sagte errötend: „Bitte?“

„Nein nein! Entschuldigen Sie . . . Sie sind natürlich vollkommen unschuldig. Das Ganze ist ja nichts weiter als Zeitursache.“