Der Kopf fiel in den Kasten, kollerte und blieb liegen, machte noch eine Viertelsdrehung und lag still, im Profil.

Erschrocken hoben die Zeugen die Gesichter, horchten auf den gurgelnden Ton, den das Stimmband des Dichters noch abgab. Der Ton klang wie ein Wort.

Da zuckten alle Köpfe nach der Seite herum und in die Höhe, wo das Gesicht des immer noch im Klimmzug hängenden Doppelmörders zitterte. Der rief noch einmal: „Bravo!“ Dann verschwand das Gesicht.

Die Zeugen blickten den Rumpf des Dichters an, der am Block kniete. Der Halsstumpf spie in der Mitte Blut aus, stoßweise, wie ein verkümmerndes Springbrünnchen, trieb große rosa Blasen.

Der Kopf lag einen Meter weit entfernt schmal und blaß in der Mitte des Kastens. Die Augen glänzten noch blau.

Der Helfer griff mit beiden Händen nach dem Kopf, zog eine langsam wieder zurück, faßte so spitz wie möglich nur das Ohr und hob den schweren Kopf daran hoch, legte ihn an die Stirnwand des Kastens. Der andere Helfer schleppte den Rumpf herbei. Zusammen paßten sie Schnittfläche an Schnittfläche, daß ein blutiger Schaumkranz hervorquoll und der Dichter wieder ganz war.

Der Staatsanwalt setzte zuerst den Zylinder auf. Dann zogen alle schweigend die Zylinder voreinander, verbeugten sich tief.

Sie verließen einzeln die Richtstätte.

Gedruckt
in der Roßberg’schen Buchdruckerei
in Leipzig

Leonhard Frank