„Von Ihnen weiß ich alles, alles, Herr Seiler. Sie kenne ich wie meinen Bruder“, sagte Doktor Wiener und tätschelte der erschreckenden Wirtin beruhigend die Schulter. Sein Tonfall sank: „Was wollen Sie, warum soll denn der Mensch nicht plappern?“ Doktor Wieners gesundrotes, hübsches Gesicht lachte ununterbrochen. Sein blondes Schnurrbärtchen sprühte Frische und Glanz.
Der Dichter dachte: entweder fort, oder ein gleichgültiges Gesicht machen!
„Also, in einem Vierteljahr übernehme ich das Sanatorium meines alten Herrn, sehen Sie, und bis dahin praktiziere ich noch in der Klinik. Da bin ich fast den ganzen Tag nicht zu Hause. Sie können demnach ruhig in der Kammer wohnen, Herr Seiler. Darum handelt sichs doch . . . was?“
„Wenn Sie denken“, stotterte der Dichter und suchte, trotz seiner Verlegenheit, herauszubekommen, was für ein Parfüm vom Doktor ausströmte. „Ich könnte ja ein ganz anderes Zimmer suchen gehen.“
„Ganz anderes? . . . Überhaupt, bei dem Wetter! Papperlapapp! Sie bleiben hier“, schnitt der Doktor das Gespräch ab. „Ist gut geheizt bei mir?“
„Jaaa, freilich, angenehm durchwärmt.“
„Ist ja großartig!“ rief der Doktor, ohne die Wirtin anzusehen, die neben ihm herlief und beteuernd auf ihn einredete.
„Na, da holen Sie halt Ihren Sack wieder runter!“ sagte sie, nachdem der Doktor in seinen Zimmern verschwunden war.
Und als der Dichter neben seinem Sack in der Kammer saß, dachte er darüber nach, ob er auf eigene oder auf des Doktors Rechnung die Kammer bewohne.
„Wo waren Sie denn heute nacht wieder?“ Sie stand unter dem Türrahmen.