„Ist es denn aber möglich, daß ein Mensch als Kind qualvolle Erlebnisse hatte . . ., von denen er nichts mehr weiß, die aber in seinem Gefühlsleben ein dunkles Dasein weiterführen und plötzlich einen Haßausbruch verursachen?“

Der drückende Klumpen unter seinem Brustbein sprach dafür.

„Aber was war es? Was?“ flüsterte er, schloß die Augen und horchte, ohne zu denken, nach innen — glaubte plötzlich, Kaffeegeruch zu riechen, sieht den Vater morgens die Wohnung verlassen, eine Frau, die zum Fenster hinaus „Karo“ ruft. — Erinnerungsfetzen, welche er anfangs in keinen Zusammenhang bringen konnte, die sich jedoch durch ein weiteres Glied (der Hund fährt kläffend nach ihm) zu einem ganz bestimmten Schultage verdichteten. Seine Beklemmung steigerte sich; er sieht die Bankreihen, frohe Aufregung unter den Schülern. Plötzlich wurde er heiß. „Wegen des Schulausfluges.“

„Schulausflug?“ flüsterte der Dichter immer noch, als er schon die enge, dumpfriechende Treppe zur Elternwohnung hinaufstieg. Belastet und verwirrt blieb er vor der Gangtür stehen, ohne zu läuten, weil er fühlte, daß er nahe daran war, die Ursache seines Hasses gegen den Lehrer zu finden. „Schulausflug durch den Wald . . . Wald.“ Da verlor er das Gedächtnis, so gänzlich, daß er nicht wußte, wo er sich befand, als der Vater die Tür öffnete und erstaunt zurückwich, weil ihm sein Sohn „tückisch . . . tückisch“ ins Gesicht sagte.

Ganz schnell rief der Dichter dem Vater zu: „Wart, wart, wart!“ Und: „Ah! . . . Aha! Ja, ich wollte euch einmal besuchen.“

„Kommst du endlich einmal zu uns?“

„Ja, wegen des Lehrers . . . Vielleicht bin ich wegen des Lehrers gekommen.“

„Wegen des Lehrers? . . . Gehe nur hinein, Anton, zur Mutter. Ich muß in die Singprobe.“

„So? . . . Bist du immer noch Vorstand vom Gesangverein ‚Zwischen grünen Bäumen‘?“

„Ja freilich!“ Der Vater lächelte freundlich und schüttelte seinem Sohne schnell die Hand zum Abschied, um rechtzeitig in die Singprobe zu kommen. „Gehe nur hinein zur Mutter.“