„Nein . . . Ein bißchen empfindsam sind wir Geschwister.“
„Ein Lehrer tat das?“
„Ja, Herr Lehrer Mager.“
„. . . Derselbe?“ Er strich sich vom Nacken weg über den Kopf, bis zum Mund. Dann glitt die Hand am glänzenden, schwarzen Vollbart entlang, und der Mund öffnete sich nachdenklich.
„Da war sie dreizehn Jahre alt. Sie lief vom Schulhaus weg und sprang in den Fluß. Seit einiger Zeit denke ich mir, daß sie wegen dieser Demütigung in den Fluß gesprungen ist.“
„So mir nichts, dir nichts sollten Sie das aber doch nicht annehmen. Das erste Mal redeten Sie kein Wort von dieser ganzen Sache . . . Vielleicht ist ihr die Puppe hineingefallen oder die Mütze . . . Wie Kinder sind — sie springt nach, will sie herausholen und ertrinkt . . . Das andere wäre nicht normal.“
„Furchtbar normal, Herr Doktor, furchtbar normal! . . . Ein Jahr später kam . . . ich zum Herrn Mager in die Klasse.“
„Und bei sich haben Sie keine besonderen Erscheinungen beobachtet?“
„Ich weiß nichts . . . Meine Mutter sagt, daß ich als Junge mit offenen Augen geschlafen habe.“
„Das können ja . . . Sie selbst nicht wissen. Und sonst?“ „Ich bin ganz normal, Herr Doktor. Will sagen, ich bin nicht irrsinniger als zum Beispiel Sie . . . und Millionen andere.“