Der Kleine wurde kreideweiß.
„Du hast doch auch keine Angst gehabt, wie?“
„Sags uns nur . . . Angst gehabt?“
Die Tränen schossen ihm in die Augen. Er schüttelte verneinend den Kopf.
„Wird schon alles noch besser werden“, sagte der Vorsitzende und lächelte den Kleinen freundlich an. „Aber ja doch!“
Er sah in die Untersuchungsakten, dem Dichter groß ins Gesicht. „Sie gaben an, Ihre Schwester habe sich ertränkt, weil Herr Lehrer Mager sie . . . nennen wir es: gequält hat. Es liegt mir daran, jetzt auch diese Sache voll und ganz aufzuklären . . . Glauben Sie, daß der Lehrer auf Ihre Familie besonders schlecht zu sprechen war?“
„Besonders? Nein. Er hat vermutlich alle Schüler, die zu ruinieren waren, ruiniert . . . Das heißt, drei oder vier ausgesprochene Prügelknaben hatte er doch, aber zu denen gehörte ich nicht einmal . . . Einen davon — er war der Sohn eines Optikers, dick und winzig klein — den malträtierte er so, daß Sie mir einfach nicht glauben werden, wenn ich es Ihnen beschreibe . . . Täglich, bei jeder Gelegenheit, mit dem Rohrstock auf den kurzgeschorenen, weißblonden Kugelkopf, ins rosige Gesicht, wahllos ins Gesicht! . . . Einen Bauern, der ein kleines Ferkelchen so verhaut, würde man einsperren wegen Tierquälerei.“
„Ja aber! In so einem Fall geht ein Junge doch nach Hause und sagt: Du, hör mal, Vater . . . so und so.“
Der Dichter lächelte schwach. „Gewöhnlich wagt ein Junge nicht, sich beim Vater über den Lehrer zu beklagen.“