„Wegen des Hundertmarkscheins habe ich es aber nicht getan. Das weiß jetzt sogar der Staatsanwalt.“ Er ärgerte sich, weil er geredet hatte.
Der Verteidiger lauschte. „Also, denen im Gerichtssaal können Sie das ja weiszumachen versuchen, ist Ihr gutes Recht, obschon es nicht klug war . . . aber mir gegenüber ist das glatter Unsinn. Sie sagten sich — Geld ist Geld. Ich brauche welches . . . Glauben Sie denn, ich könnte das nicht verstehen?“
Schritte näherten sich. Der Verteidiger steckte schnell die Daumen in die Westentaschen und ging auf und ab, mit gleichgültigem Gesicht.
Der Schließer trat ein, nahm die Hand zur Mütze und meldete, daß er den Dichter in den Verhandlungssaal zurückbringen müsse.
„Ich weiß doch, was ich weiß“, sagte der Verteidiger noch.
Der Dichter stand wieder an seinem alten Platze vor der Anklagebank und hatte den Eindruck, außer ihm sei kein Mensch fortgewesen.
Frisches Interesse kam in die Augen der Geschworenen und Zuschauer, nachdem der Vorsitzende den Gerichtspsychiater gebeten hatte, seine Meinung zu äußern.
„Wesentliches“, begann er, in bescheidener, korrekter Haltung, „habe ich meinem schriftlichen Gutachten nicht hinzuzufügen.“
Nur der Einäugige bemerkte, daß bei diesen Worten die Angstspannung das Gesicht des Staatsanwaltes verließ.
„Daß der Angeklagte versuchen werde, den Prozeß auf . . . auf phantastisch-intellektuelles Gebiet hinüberzuleiten, war vorauszusehen, insofern das, wie ich bei mehrfacher Untersuchung und während längerer Beobachtung erkennen konnte, seinen psychischen Anlagen und vor allem dem Drange entspricht, durch kümmerlich motivierte Behauptungen vom Kernpunkte der Tat abzulenken . . . So versicherte er mir zum Beispiel, daß neunundneunzig Prozent aller Menschen irrsinnig und nur die sogenannten weltfremden oder verrückten normal seien . . . Die moderne psychiatrische Wissenschaft steckt jedoch beileibe nicht mehr derart in den Kinderschuhen, daß es dem zu Beobachtenden durch x-beliebige wirre Aussprüche gelingen könnte, den untersuchenden Arzt zu täuschen. Es gibt im Gegenteil heute schon nahezu mathematisch genaue Stützpunkte, von denen aus der Arzt mit relativ großer Sicherheit das wahre Seelenbild des Kranken nachzuzeichnen vermag.“